Landesbischöfin trauert um erfrorenen Säugling / Staatsanwaltschaft ermittelt

Nachricht 03. Januar 2008

Netzwerk Mirjam soll Müttern beistehen und Kinder retten

Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall des toten Babys

Hannover (epd). Im Fall des tot aufgefundenen Säuglings in Hannover geht die Staatsanwaltschaft nicht von einer Tötungsabsicht aus. Am Mittwoch hatte ein Mitarbeiter das Neugeborene vor dem Friederikenstift auf dem Betonboden in unmittelbarer Nähe des Babykörbchens gefunden. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Kathrin Söfker, sagte am Donnerstag, es gebe keine Anhaltspunkte, dass das Kind neben die Babyklappe gelegt worden sei, um es erfrieren zu lassen. Ermittelt werde wegen fahrlässiger Tötung. Der Junge, dessen Nabelschnur noch nicht abgetrennt war, starb laut Obduktionsbericht an Unterversorgung und Kälteeinfluss.

Spezialisten hätten inzwischen die Funktionstüchtigkeit des Babykörbchens überprüft. Ein abschließendes Urteil des Sachverständigen stehe noch aus, sagte Söfker. Von der Mutter fehle noch immer jede Spur. Ob das Kind bereits tot abgelegt wurde oder erst vor der Klinik gestorben ist, konnte bisher nicht geklärt werden. Ein Alarm wird erst beim Öffnen der Klappe ausgelöst.

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann zeigte sich als Initiatorin und Schirmherrin des "Netzwerks Mirjam", zu dem das Babykörbchen gehört, tief betroffen. "Wir werden jetzt überlegen müssen, wie man das Kind nach diesem entsetzlichen Tod würdig bestattet", sagte Käßmann dem epd. Außerdem werde das Netzwerk überprüfen, ob der Weg vom ersten Hinweisschild auf dem Klinikgelände bis zum Hineinlegen des Kindes in das Babykörbchen noch weiter verbessert werden könne.

"Mirjam - ein Netzwerk für das Leben" wurde im Jahr 2001 von der hannoverschen Landeskirche und ihrem Diakonischen Werk gegründet. Neben dem Babykörbchen gibt es auch ein Notruf-Telefon für schwangere Frauen.

Unter der Nummer 0800-60 500 40 werden die Anruferinnen rund um die Uhr beraten. Das Babykörbchen hat nach Angaben des Diakonie von 2006 bisher 44 Frauen helfen können. Nur sieben hätten anonym bleiben wollen. Acht Neugeborene seien abgegeben worden.

Unter den mehr als 10.000 Anrufen über das Notfall-Telefon seien rund 800 ernsthafte Anfragen gewesen. Die mehr als 20 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen am Telefon vermittelten Hilfen, die von der Geburtsvorbereitung und Entbindung bis zu betreuten Wohnmöglichkeiten und zur Adoptionsvermittlung reichten.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0019/03.01.08)
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Landesbischöfin trauert um erfrorenen Säugling

Von Ulrike Millhahn (epd)

Hannover (epd). Auch einen Tag nach der Entdeckung eines toten Säuglings vor einem "Babykörbchen" am hannoverschen Friederikenstift fehlt von der Mutter jede Spur. Der kleine Junge, dessen Nabelschnur noch nicht abgetrennt war, starb laut Obduktionsbericht an Unterversorgung und Kälteeinfluss. Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann ist als Initiatorin und Schirmherrin des Babykörbchens auch am Donnerstag noch fassungslos: "Unser Netzwerk will Müttern in Not beistehen und Kinder retten. Der Tod eines Babys ist eine entsetzliche und traurige Nachricht."

Die Rechtsmediziner gehen davon aus, dass das Kind mehrere Stunden vor der Klinik auf dem Betonboden in unmittelbarer Nähe der Babyklappe gelegen hat. Ob das Kind bereits tot abgelegt wurde oder erst dort gestorben ist, konnte bisher nicht geklärt werden. Ein Alarm wird erst beim Öffnen der Klappe ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Das Babykörbchen wird zurzeit von Spezialisten des Landeskriminalamtes auf seine Funktionalität überprüft.

Die Bischöfin hofft auf ein schnelles Ergebnis. Sie hatte vor sieben Jahren gemeinsam mit der Diakonie das Projekt "Mirjam - Netzwerk für das Leben" gegründet. Das Babykörbchen war dabei von Anfang an als "allerletzte Auswegmöglichkeit" gedacht, sagt Käßmann. Ihr geht es vor allem darum, dass schwangere Frauen in Konflikten nicht allein gelassen werden. Deshalb gibt es neben dem Babykörbchen, in dem bisher acht Säuglinge abgelegt wurden, auch ein Notruftelefon. Unter der Nummer 0800/60 500 40 werden Anruferinnen Tag und Nacht beraten. Unter den mehr als 10.000 Anrufen waren bisher 800 ernsthafte Anfragen, sagt Käßmann.

Außerdem können sich Frauen vor und nach der Geburt in diversen diakonischen Einrichtungen Hannovers betreuen lassen. Sie erhalten Wohnmöglichkeiten und Unterstützung in der Ausbildung und im Beruf. 44 Frauen konnte das Projekt bisher helfen. Das "Netzwerk Mirjam" gilt mit seinen Angeboten rund um Schwangerschaft und Geburt als das umfassendste in Deutschland.

Insgesamt gibt es bundesweit rund 80 so genannte Babyklappen. Die erste wurde 2000 in Hamburg eröffnet. Das Kinderhilfswerk terre des hommes kritisiert, dass es Frauen damit zu leicht gemacht werde, ein Kind wegzugeben. Der Verein weist darauf hin, dass die Zahl der ausgesetzten Kinder durch die Klappen nicht gesunken sei. Allerdings existiert keine amtliche Statistik über die Tötung und Aussetzung von Neugeborenen.

Experten plädieren seit langem dafür, vor allem die Beratungsarbeit zu verbessern, um die Frauen vor unbedachten Entscheidungen zu schützen.
Dies ist auch die Absicht des "Netzwerkes Mirjam". 16 Hilfesuchende haben bisher ihr Kind behalten, 28 Frauen haben es zur Adoption freigegeben. Das Babykörbchen ist außerdem so ausgerüstet, dass die Mütter einen Fußabdruck ihres Kindes mitnehmen können, um später ihre Mutterschaft beweisen zu können.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0014/03.01.08)
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