Diakoniechef Kottnik fordert Prävention, Integration und effektive Resozialisierung

Nachricht 02. Januar 2008

"Jugendliche Straftäter auszugrenzen und zu stigmatisieren ist kontraproduktiv und unchristlich."

Berlin, 1. Januar 2008. "Im Bereich des Jugendstrafrechts ist in Deutschland sicherlich noch einiges an Verbesserung und Reform möglich. Wir warnen jedoch ausdrücklich davor, hier in Richtung Ausgrenzung, Stigmatisierung und gar Ausweisung junger Straftäter zu denken", so der Präsident des Diakonischen Werkes der EKD, Klaus-Dieter Kottnik. "Vielmehr sollten in weitaus höherem Maße als bisher alle Möglichkeiten der Prävention, der besseren Integration ausländischer Kinder und Jungendlicher sowie deutlich verbesserter Resozialisierung im Strafvollzug durchdacht und tatkräftig umgesetzt werden."

Diakoniepräsident Kottnik warnte davor, einzelne - wenngleich erschütternde - Taten einzelner Jugendlicher in den vergangenen Wochen zum Anlass zu nehmen, in eine überholte Debatte zurückzufallen. Er verweise viel lieber auf den Integrationsgipfel des vergangenen Jahres, der hoffnungmachende Ansätze aufgezeigt habe. "Das Wort Prävention sähe ich gern großgeschrieben", betonte Kottnik. "Verbesserte Kinderbetreuung auch für Kinder mit Migrationshintergrund, gleichberechtigte Förderung in den Schulen für diese Kinder und Jugendlichen, gute Freizeitangebote", so stelle er sich adäquate Forderungen vor und hier sei
noch einiges zu tun.

Kottnik sprach sich dafür aus, die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien sorgfältig zu Rate zu ziehen, bevor eine ganze Bevölkerungsgruppe in Deutschland - die jugendlicher Menschen mit Migrationshintergrund - in pauschalisierender Weise diskreditiert werde. Demnach gebe es weder eine Zunahme der Straftaten und ebenso sei offenbar nachgewiesen, dass härtere Strafen kaum Abschreckungscharakter hätten. Belegt sei offenbar zudem, dass Verlängerung und Verschärfung der Haft eher kontraproduktiv seien.

Die "gesamten Lebensbedingungen junger Menschen mit Migrationshintergrund sollten in den Blick genommen und systematisch verbessert werden", so der Diakoniechef. Reformbemühungen für den Umgang mit jugendlichen Straftätern könnten auf neue Formen der Zusammenarbeit von Jugendämtern, Schulen, Polizei und Staatsanwaltschaft abzielen und der Strafvollzug auf effiziente Maßnahmen einer zügigen Resozialisierung. Es komme bei bereits straffällig Gewordenen darauf an, die positiven Potentiale zu wecken und zu fördern. Ausgrenzung sei nicht christlich.

Kottnik verweist auf die umfassenden Erfahrungen der Evangelischen Straffälligenhilfe der Diakonie mit straffälligen Jugendlichen. Er bedaure sehr, dass gerade im Bereich Jugendstrafvollzug mehr mit dem Rotstift operiert werde als der Sache gut tun könne. Der Jugendstrafvollzug berücksichtige bisher nicht ausreichend die besondere Situation Jugendlicher, führe sie zu selten in die Gesellschaft zurück und leide unter Personalmangel. "Entlassene jugendliche Straftäter finden zu selten sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten, sie werden nicht ausreichend unterstützt." Die Forderung der Diakonie, das Hartz-IV- Instrumentarium des Förderns zu verbessern und sinnvolle, gemeinwohlorientierte und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu fördern, könnte auch für jugendliche Straftäter neue Perspektiven eröffnen, so Kottnik.

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Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V.
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