Celler Synagoge zeigt Ausstellung zu "Jud Süß"

Nachricht 02. Januar 2008

Celle (epd). Die Ausstellung "Jud Süß" - Geschichte(n) einer Figur" wird am 10. Januar um 19 Uhr in der Synagoge in Celle eröffnet. Eine Gruppe Göttinger Geistes- und Sozialwissenschaftlerinnen der St. Jacobi-Gemeinde und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit habe die Ausstellung über den historischen "Jud Süß", Joseph Süß Oppenheimer, erarbeitet, teilte das Stadtarchiv Celle am Mittwoch mit. In der Synagoge sind die Text- und Bildtafeln sowie Filmausschnitte bis zum 2. März zu sehen.

Im Mittelpunkt steht den Angaben zufolge Joseph Süß Oppenheimer, der 1733 Finanzberater des Herzogs Karl Alexander in Württemberg wurde. Seine Steuer- und Wirtschaftsformen ermöglichten dem katholischen Herzog einen prunkvollen Lebensstil. Dies brachte die Bevölkerung und die protestantischen Landstände gegen ihn auf. Nach dem Tod des Herzogs 1737 wurde Oppenheimer verhaftet und zum Tode am Galgen verurteilt. Oppenheimer wurde zur historischen Figur "Jud Süß", die bereits zu seinen Lebzeiten antijüdisch gezeichnet wurde.

Dieses Bild wurde durch Veit Harlans gleichnamigen Propagandafilm aus dem Jahr 1940 weiter verstärkt, der die historische Figur mit antisemitischen und rassischen Stereotypen verbindet. Die Ausstellung präsentiert die Biografie des "Jud Süß", seine literarische Verarbeitung bei Wilhelm Hauff und Lion Feuchtwanger, die propagandistische Deutung während der Nazi-Diktatur und die Konflikte um die Figur nach 1945. Im Rahmenprogramm werden Vorträge, Filmvorführungen und Diskussionen angeboten. Auskünfte gibt das Stadtarchiv, Tel. 05141/936000.

(epd Niedersachsen-Bremen/b0003/02.01.08)
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