Landesbischöfin für würdige Bestattungen von Hartz IV-Empfängern

Nachricht 29. Dezember 2007

Hannover (epd). Die Kirche sollte sich nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann im neuen Jahr entschlossen für würdige Bestattungen einsetzen. "Es kann nicht angehen, dass Hartz IV-Empfängern aus Kostengründen nur eine anonyme Feuerbestattung zugestanden wird", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland am Freitag im epd-Gespräch.

Käßmann appellierte an die Kommunen, dafür zu sorgen, dass auch arme Menschen eine ortsübliche Beerdigung erhalten. In der hannoverschen Landeskirche gebe es bereits erste Initiativen, bei denen Kirchengemeinden zu Trauerfeiern für Menschen einlüden, die ohne Angehörige verstorben seien.

Weiter sagte die Bischöfin, dass es aus Sicht der Kirche wichtig sei, die Würde der Sterbenden zu schützen. Genau dies tue aber der in Hannover ansässige Sterbehilfe-Verein "Dignitate" nicht: "Das ist ein Geschäft mit der Angst und dem Tod und gerade keine liebevolle Zuwendung zu den Einzelnen", betonte die Bischöfin. Sie forderte, die "überzeugende und engagierte Sterbebegleitung in den Hospizen und durch die ambulanten Hospiz- und Palliativdienste weiter auszubauen".

Rund 840.000 Menschen sterben Käßmann zufolge jedes Jahr in Deutschland. Zu viele Menschen verdrängten den Tod. "Wenn er dann unausweichlich bevor steht, scheint die Beihilfe zur Selbsttötung ein effektiver und selbstbestimmter Ausweg", sagte Käßmann. Es sei jedoch die Verantwortung der Christen, Menschen Mut zum Leben zu machen, aber auch das eigene Sterben vorzubereiten. Dazu gehörten Patientenverfügungen, Bevollmächtigungen und Organspendeausweise.

Es sei dringend erforderlich, dass die schmerzlindernde ganzheitliche Palliativmedizin ein verbindlicher Teil der medizinischen Ausbildung werde. "Ich bin gegen Tötung auf Verlangen, aber für palliative Therapien am Lebensende und für ein bewusstes Sterben-Lassen", sagte Käßmann. Einer Gesellschaft, die Jungsein, Schönheit und Gesundheit zu ihren Lebensidealen erkläre, falle es offensichtlich schwer, auch Krankheit, Leiden und Sterben als Teil des Lebens zu akzeptieren. "Sich mit dem Thema Sterben zu befassen, muss nicht nur Panik auslösen", sagte Käßmann: "Es kann dem eigenen Leben auch mehr Tiefe verschaffen."

(epd Niedersachsen-Bremen/b3806/28.12.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen