Landesbischöfin fordert eine Kultur der Achtsamkeit für Kinder

Nachricht 27. Dezember 2007

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat für das neue Jahr zu verstärkter Nachbarschaftshilfe aufgerufen. "Wir brauchen auch unter Nachbarn eine Kultur der Achtsamkeit und dürfen nicht wegsehen, wenn Kinder vernachlässigt oder misshandelt werden", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche am Mittwoch im epd-Gespräch in Hannover. Aus Beratungsstellen sei bekannt, dass zum Beispiel ein missbrauchtes Kind bis zu sieben Erwachsene ansprechen müsse, bis ihm geholfen werde.

Das Schwerpunktthema der Bischöfin für 2008 wird die Situation von Kindern sein. "Wir sind nicht nur ein kinderarmes Land, sondern auch ein Land, in dem Kinder arm sind", sagte Käßmann. Heute sei bereits jedes sechste Kind unter sieben Jahren auf staatliche Unterstützung angewiesen. 1965 sei es noch jedes 75. Kind gewesen. Die Ausgrenzung armer Kinder zeige sich bereits früh: "Zum Einschulungsgottesdienst kommen manche mit nagelneuer Kleidung und vollgepackter Schultüte, andere tragen Gummistiefel und haben noch nicht einmal einen Ranzen."

Käßmann regte an, bedürftige Familien mit Gutscheinen für Mitgliedschaften in Sportvereinen, Schwimmbadbesuche oder Eintrittsgelder für den Zoo auszustatten, statt den Eltern ein Betreuungsgeld zu zahlen. Beteiligungsarmut sei ein zentrales Thema.
Außerdem sprach sich die Bischöfin, die selbst Mutter von vier Töchtern ist, für ein beitragsfreies Kindergartenpflichtjahr aus.

In den Kirchengemeinden solle künftig verstärkt auf Familien in sozialen Notlagen geachtet werden, sagte Käßmann weiter. Die hannoversche Landeskirche sei dabei, einen Bildungsfonds ins Leben zu rufen, um die Armut vor Ort mit niedrigschwelligen Angeboten zu bekämpfen. Dazu könnten unter anderem lokale Bündnisse zwischen Gemeinden, Einrichtungen, Vereinen und Initiativen gehören. Auch die 586 evangelischen Kindertagesstätten zwischen Hann. Münden und Cuxhaven, die täglich von 44.000 Kindern besucht würden, könnten viel zur Vernetzung beitragen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3783/26.12.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen