Landesbischöfin Käßmann gegen Ideologie des Wachstums

Nachricht 09. Dezember 2007

Berlin/Hannover (epd). Mehrere tausend Menschen haben am Sonnabend in Berlin für einen wirksamen Klimaschutz demonstriert. Auf ihrem Marsch durch die Bundeshauptstadt forderten sie auf Transparenten und in Sprechchören zu einer effektiven Klimapolitik auf. "Wir müssen Druck machen, damit die Politik jetzt konsequent handelt", hieß es. Die Veranstalter bezifferten die Zahl der Teilnehmer auf gut 5.000. Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann rief dazu auf, Abschied von der Ideologie des Wachstums zu nehmen.

Es gebe auf der Erde genügend Ressourcen für die elementaren Bedürfnisse aller Menschen, sagte Käßmann. Die Ressourcen reichten aber nicht, "um Gier, Macht, Bereicherung und Egomanie zu befriedigen". Das Schmelzen der Pole, das Steigen des Meeresspiegels und die sich ausbreitende Dürre seien unübersehbare Zeichen, dass etwas geschehen müsse, sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Nur ein nachhaltiger Lebensstil könne den knapp acht Milliarden Menschen auf der Welt das Überleben sichern.

Zu den Demonstrationen hatte die im April gegründete Klima-Allianz aufgerufen, der mehr als 80 Umwelt- und Entwicklungsorganisationen wie etwa Greenpeace, BUND, Diakonie Katastrophenhilfe, Caritas International sowie fünf evangelische Landeskirchen angehören. Sprecher äußerten scharfe Kritik am Klimapaket, das die Bundesregierung in der vergangenen Woche beschlossen hatte. Es werde zu Makulatur, wenn nicht sofort der geplante Bau von 24 neuen Kohlekraftwerken sowie der weitere Ausbau des Straßennetzes und die Subventionierung des Flugverkehrs gestoppt würden.

Auch die indische Umweltschützerin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva, rief die reichen Industriestaaten zu einem einfacheren Lebensstil auf. "Was gut ist für die Armen ist gut für alle", sagte sie. Die Menschheit habe nur die eine Erde und die eine Atmosphäre. Die Klimakatastrophen vor allem in Südostasien hätten gezeigt, dass die Welt nicht warten könne. Das sei auch die Botschaft an die Klimakonferenz in Bali, fügte sie hinzu.

Der 8. Dezember wurde 2005 weltweit von Umweltverbänden und sozialen Bewegungen zum globalen Klima-Aktionstag ausgerufen. Auf Bali in Indonesien tagt seit 3. Dezember der noch bis zum 14. Dezember angesetzte Weltklimagipfel.

Internet:www.die-klima-allianz.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b3697/09.12.07)
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