Unternehmer erwarten Impulse durch Kirchen-Denkschrift

Nachricht 26. November 2007

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer hofft, das Unternehmer und Kirche in Deutschland neu ins Gespräch miteinander kommen. Die geplante Unternehmer-Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) könne dafür wichtige Impulse geben, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises, Michael Freiherr Truchseß aus Niederflorstadt bei Frankfurt/Main, am Sonntag bei der Jahrestagung des Arbeitskreises in der Evangelischen Akademie Loccum bei Nienburg dem epd. Die Denkschrift soll voraussichtlich Anfang 2008 erscheinen.

Jeder verstehe, dass die Kirche für die Schwachen in der Gesellschaft eintrete und sich eher auf die Seite der Arbeitnehmer stelle, sagte Truchseß: "Das bedeutet aber nicht, dass nicht auch ein Unternehmer ein guter Christ sein kann." Truchseß erinnerte daran, dass einkommenstarke Kirchenmitglieder einen Großteil der Kirchensteuer zahlten. Die Kirche sei daher gut beraten, wenn sie den Kontakt zu denen suchten, die Einfluss in der Gesellschaft hätten.

Die Welt der Wirtschaft habe sich in den vergangenen 50 Jahren grundlegend gewandelt, erläuterte Truchseß. Kapitalfreiheit und Mobilität würden immer wichtiger. Die Landwirtschaft dagegen spiele kaum noch eine Rolle. Auf diese Fragen müsse auch die Kirche eine Antwort geben. Schwarz-Weiß-Denken und gegenseitige Vorurteile aus der 1968-Generation müssten dabei überwunden werden. Der 1966 gegründete Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer hat bundesweit mehr als 600 Mitglieder.

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann gab den rund 100 Teilnehmern der Jahrestagung eine Einführung in die Formen evangelischer Spiritualität. So könne die Meditation dabei helfen, zu sich selbst zu kommen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Sie brauche aber Zeit und Rhythmus: "Wir können nicht mal eben schnell aus dem Alltag aussteigen, eine Runde meditieren, und weiter geht es", sagte Käßmann in einem Vortrag: "Mich erschreckt manchmal, wie schwer es ist, loszulassen und alles, was im Kopf ist, beiseite zu schieben."

Der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD, Professor Gerhard Wegner, erläuterte bei der Tagung Prinzipien des Führens und Leitens aus spiritueller Sicht: "Führen können wir nur, wenn wir uns selbst führen können", sagte er. Führung setze die Fähigkeit voraus, auch sich selbst aus der Distanz zu betrachten. Dabei könne der Glaube an Gott helfen, betonte Wegner, einer der Mitverfasser der EKD-Denkschrift.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3525/25.11.07)
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