Landesbischöfin: Gesellschaft ist auf Kirche angewiesen

Nachricht 19. November 2007

Bern/Hannover (epd). Die westliche Gesellschaft ist nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann auf die Kirche angewiesen. "Die Gesellschaft muss wissen, wo sie steht und was sie glaubt, woran sie sich orientiert und auf welchen Werten sie aufbaut", sagte Käßmann laut Redemanuskript am Sonnabendabend bei einem Besuch im schweizerischen Bern, zu dem die Evangelisch-Lutherische Kirche Bern eingeladen hatte.


Die Aufgabe der Religionen sei es, endlich dazu beizutragen, dass die Konflikte zwischen den Völkern entschärft werden, sagte die Bischöfin der mit mehr als drei Millionen Mitgliedern größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Dabei dürften die christlichen Kirchen aber nicht profillos werden: "Wir müssen das Thema Menschenrechte, Gleichheit von Mann und Frau und Gewalt in der Familie auch thematisieren."


Sie werde sich dafür einsetzen, dass Muslime in Deutschland Moscheen bauen dürfen, weil die Religionsfreiheit ein hohes Gut sei, betonte Käßmann: "Wer die Religionsfreiheit unseres Landes in Anspruch nimmt, muss aber auch die Verfassung unseres Landes insgesamt bejahen." Außerdem wünsche sie sich, dass Christinnen und Christen auch in Pakistan, Indonesien und Afghanistan Kirchen bauen dürften.


"Ein Dialog der Religionen macht nur Sinn, wenn wir die eigene Position kennen, die Religion des Anderen respektieren und nicht nur Höflichkeiten austauschen", sagte die Bischöfin. Es gehe darum, alle strittigen Fragen auf den Tisch zu legen und "weder den Hetzparolen von Neonazis noch dem anatolischen Patriarchat Raum zu geben".

(epd Niedersachsen-Bremen/b3415/17.11.07)
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