Zum Ewigkeitssonntag / Totensonntag

Nachricht 19. November 2007

Was bleibt vom Ewigkeitssonntag, was bleibt am Ende eines Kirchenjahres? Was bleibt am Totensonntag? Ein bedeutender Unterschied zwischen dem katholischen und dem evangelischen Jahr. Man merkt es schon an der Zählung, dass es dem Ende entgegengeht. Die Sonntage haben die Bezeichnung drittletzter, vorletzter und letzter Sonntag des Kirchenjahres. In evangelischer Tradition liegt die Betonung auf der Eschatologie. Damit ist die Lehre von den letzten Dingen gemeint, also von dem, was "nach dieser jetzigen Welt" erwartet wird, was also das letzte Ziel von allem ist.

König Wilhelm III. von Preußen gab 1816 nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon von 1813 die Order aus, an diesem Tag, dem letzten Sonntag vor dem 1. Advent, der Verstorbenen zu denken. Daraus entstand der auch von anderen Landeskirchen übernommene „Totensonntag“. Dieser evangelische Totensonntag löste sich aber von seinem ursprünglichen Anlass und nahm als Ewigkeitssonntag wieder seinen Platz im liturgischen Jahr ein. In der katholischen Kirche hatte es eine vergleichbare Entwicklung nicht gegeben. Erst das II. Vatikanische Konzil brachte eine Änderung. Dieser Sonntag sollte jetzt als Freudenfest gefeiert werden. So setzte man das Christkönigfest an seine Stelle.

Am Ewigkeitssonntag steht in der evangelischen Liturgie das Gleichnis von den zehn Jungfrauen (Matthäusevangelium Kapitel 25, Verse 1-23) im Mittelpunkt. Von den fünf törichten wird berichtet, dass sie zwar Lampen aber kein Öl mitnehmen, während die fünf klugen vorbereitet sind, wenn der Bräutigam kommt. Der Schlusssatz „Seid also wachsam! Denn ihr wisset weder den Tag noch die Stunde“ bezog sich immer auf den eigenen Tod und auf das Leben in der Ewigkeit.

Es ist eine weitverbreitete Sitte, im Gottesdienst am Ewigkeitssonntag die Namen der im letzten Jahr Verstorbenen zu verlesen. In einigen Gemeinden werden dazu die Namen mit Geburts- und Sterbedatum in das „Buch des Lebens“ eingetragen. In anderen finden am „Gedenktag der Entschlafenen“, wie der Totensonntag oder Ewigkeitssonntag auch genannt wird, Andachten auf dem Friedhof statt. Dabei sind oft Posaunenchöre beteiligt. Das ist von symbolischer Bedeutung. Denn der durchdringende Schall der Posaune gilt jeher als Bild für den Weckruf am Jüngsten Tag.

Erich Franz