Landesbischöfin fordert gewaltfreie Erziehung von Kindern

Nachricht 14. November 2007

Diepholz (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat eine gewaltfreie Erziehung von Kindern gefordert. Die Kirche setze sich heute ausdrücklich für die Rechte der Kinder, für ihren Schutz und ihre Bildung ein, sagte die Bischöfin am Mittwoch bei einer "Geburtstagsrevue 100 Jahre Astrid Lindgren" in Diepholz bei Osnabrück. Die schwedische Schriftstellerin wäre am Mittwoch 100 Jahre alt geworden.

In der Vergangenheit seien Kinder auch unter Berufung auf biblische Sätze wie "Ein weises Kind liebt die Zucht" immer wieder geschlagen, erniedrigt und missbraucht worden, sagte Käßmann: "Wir wissen heute, dass das auch in christlichen Erziehungsheimen nach 1945 der Fall war und in christlichen Elternhäusern." In aktuellen Umfragen gäben noch immer 80 Prozent der Kinder an, von ihren Eltern geohrfeigt worden zu sein. Rund 1,3 Millionen Jungen und Mädchen in Deutschland würden regelmäßig körperlich misshandelt.

Studien zeigen nach Angaben Käßmanns, dass Kinder, die in ihrer Erziehung keine gewaltfreie Konfliktlösung lernen, als Erwachsene zu Gewalt neigen. Dagegen stärke eine Erziehung ohne Gewalt die Zivilcourage, sagte die evangelische Bischöfin. Um die moralische Urteilsfähigkeit von Kindern zu unterstützen, müssten Vertrauen, Verantwortung und Konfliktfähigkeit gefördert werden. In den mehr als 700 Kindergärten und Spielkreisen der hannoverschen Landeskirche werde mit den Kindern Gewaltfreiheit eingeübt, während die Eltern Unterstützung in der Erziehung erhielten.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3368/14.11.07)
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