Berater: Wunsch nach verlässlicher Partnerschaft steigt

Nachricht 10. November 2007

Hannover (epd). Immer mehr Menschen äußern nach den Erfahrungen evangelischer Lebensberater den Wunsch nach einer verlässlichen und auf Dauer angelegten Partnerschaft. "Wir bemerken einen eigentümlich konservativen Zug", sagte der Leiter der Hauptstelle für Lebensberatung in der hannoverschen Landeskirche, Pastor Reinhard Vetter, am Donnerstag in Hannover. Der Trend zu einem unverbindlichen Zusammenleben aus früheren Zeiten habe sich aus Sicht der Beratung nicht fortgesetzt.

Die 31 Ehe- und Lebensberatungsstellen zwischen Aurich, Göttingen, Osnabrück und Lüchow verzeichneten im vergangenen Jahr insgesamt 11.779 Beratungsfälle mit 20.804 Personen. Die rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kamen auf insgesamt rund 80.000 Beratungsstunden. Zwei Drittel davon waren laut Vetter Einzelgespräche, ein Drittel Gespräche mit Paaren und Familien. Der Anteil der Männer unter den Ratsuchenden steige. Die Zahl der Fälle sei gegenüber dem Vorjahr konstant, allerdings stünden durch Stellenabbau immer weniger Berater zur Verfügung.

Die weitaus meisten Menschen kämen mit Partnerschaftskonflikten, ein geringerer Teil mit Selbstwertproblemen. Aber auch Probleme mit Eltern, Kindern, Geschwistern oder am Arbeitsplatz kämen zur Sprache. Viele Paare erlebten, dass sie sich nichts mehr zu sagen hätten, wollten aber trotzdem zusammenbleiben und suchten nach einer neuen Basis für ihre Ehe. In Vergleich zu früheren Zeiten mit Großfamilien seien die Partner heute stärker aufeinander fixiert, erläuterte Vetter: "Sie sollen einerseits Blitzableiter, andererseits Glücksgarant sein."

Zunehmend belastet würden Partnerschaften durch das Internet. Es komme nicht selten vor, dass einer der Partner eine neue Bekanntschaft im Chat suche. "Sie flüchten in eine Fantasiewelt", sagte Vetter. Im virtuellen Kontakt entstehe sehr schnell ein hoher Grad an Vertraulichkeit, obwohl sich die Chat-Partner noch nie gesehen hätten.

Nach Angaben des Leiters des Evangelischen Beratungszentrums in Hannover, Axel Kreutzmann, suchen zunehmend Senioren eine Beratungsstelle auf. Die Zahl älterer Klienten habe sich vervierfacht.
Viele Senioren wollten die Probleme in der dritten Lebensphase nicht nur erdulden, sondern aktiv gestalten. Die Hemmschwelle gegenüber der Lebensberatung sei gesunken.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3296/08.11.07)
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