Landesbischöfin warnt vor anti-islamischer Stimmung

Nachricht 31. Oktober 2007

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Kirchen dazu aufgerufen, Muslime zu unterstützen, die sich zu den Werten der demokratischen Gesellschaft bekennen. "Wir dürfen keine anti-islamische Stimmung in unserem Land befördern", sagte Käßmann in einem Interview des Hamburger Abendblatts (Mittwochausgabe). Religion dürfe kein Öl in das Feuer politischer Konflikte gießen.

Bei aller Notwendigkeit eines friedlichen Dialogs zwischen Christentum und Islam blieben jedoch gravierende Unterschiede bestehen, sagte Käßmann weiter: "Das ist zu merken, wenn versucht wird, gemeinsame Gebete zu veranstalten." Diese gingen in der Regel auf Kosten von Christus, der aus dem Gebet heraus gehalten werde, sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland.

Weiter kritisierte Käßmann, dass in Deutschland die Kriegsgefahr im Nahen Osten oder im Iran verharmlost werde. "Wir haben deutsche Soldaten im Ausland, die sterben dort, und für uns ist die Friedensfrage offenbar kein Thema." Es sei ein Skandal, dass im Irak jeden Monat acht Milliarden Dollar für den Krieg ausgegeben werden, aber keine Friedensinitiativen zu erkennen seien: "Außerdem erhöhen wir noch unsere Waffenexporte und verdienen am Krieg." Die Kirche rufe dagegen dazu auf, in den Frieden zu investieren.

Anlässlich des Reformationstages sagte die Bischöfin, die evangelische Kirche müsse für Werte in der Gesellschaft einstehen. Die Wahrung der Menschenwürde sei zurzeit ungeheuer gefährdet. "Wenn ein Kind, bei dem im Mutterleib eine Hasenscharte festgestellt wird, abgetrieben wird, dann stimmt etwas nicht in unserer Gesellschaft." Das christliche Menschenbild sehe Würde in jedem Menschen, auch wenn er in seinen Fähigkeiten eingeschränkt sei.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3204/31.10.07)
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