Landesbischöfin: Eltern haben mehr Anerkennung verdient

Nachricht 22. Oktober 2007

Berlin / Hannover (idea). Für „herbeigezerrt“ hält die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann die Diskussion um die Frage, ob bei der zunehmenden Zahl von „Karrierefrauen“ die Familienwerte zu kurz kommen. Darüber wird in Zusammenhang mit dem Plädoyer der Fernsehmoderatorin und Buchautorin Eva Herman für ein traditionelles Familienverständnis gestritten.

Frau Käßmann (49) ist selbst „Karrierefrau“ und Mutter von vier Kindern. Seit 1999 steht sie an der Spitze der mit rund drei Millionen Mitgliedern größten deutschen Landeskirche. In einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ (Berlin) lehnt die inzwischen geschiedene Bischöfin eine Schwarz-Weiß-Debatte über berufstätige und Vollzeitmütter ab. Wichtig für die Kinderfreundlichkeit in Deutschland sei, dass unterschiedliche Lebensentwürfe nicht gegeneinander ausgespielt würden. Die Realität von Familien sei viel differenzierter.

80 Prozent aller Künder wüchsen bei Vater und Mutter auf – „und ich wünschte mir, es würde mal respektiert, was Familien da leisten“. 2,9 Millionen Kinder seien auf Hilfe durch staatliche Leistungen angewiesen, landeten deshalb aber nicht immer gleich im sozialen Elend. Aber es gebe auch schwer vernachlässigte Kinder und Kinder in sozialer Not. Auf diese Gruppe bezogen sollte man, so die Bischöfin, „damit aufhören, die Krippendiskussion so zu führen, als ginge es um eine Zwangsbeglückung a la DDR“.

Starke Eltern seien Väter und Mütter, die zu ihrer eigenen Überzeugung und zu ihrem Glauben stehen und versuchen, ihn auch in schwierigen Zeiten den Kindern zu vermitteln, etwa in der Pubertät. Den Glauben könne man ihnen beibringen, etwa indem man biblische Geschichten erzähle, Luthers Morgensegen spreche, Lieder singe, christliche Rituale feiere. Frau Käßmann: „Das ist wie beim Sport – mit kleinen Übungen fängt man an.“

Frau Käßmann steht, wie sie sagte, trotz ihrer Scheidung zum Leitbild von Ehe und Familie: „Ich habe vier Kinder großgezogen, war 26 Jahre verheiratet und halte die Ehe für eine gute Institution.“ Sie habe inzwischen auch schon wieder ein Paar getraut. Die Bischöfin: „Es ist gut, wenn sich zwei Menschen das Versprechen geben, einander zu begleiten, bis dass der Tod sie scheide. Aber ich weiß, dass Menschen scheitern können.“

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