Herausforderungen für Pfarrer werden größer

Nachricht 21. Oktober 2007

Lutherische Kirchen passen bei Synode ihr Dienstrecht an

Goslar (epd). Die Zeiten des Pfarrers als Einzelkämpfer in einer einzigen Ortsgemeinde sind längst vorbei. Pfarrer kooperieren inzwischen in "Quartieren" und Pfarrverbänden. Gemeinden schließen sich zusammen. Die Rolle des Gemeindepastors sei nicht völlig neu, habe sich aber "vergrößert", sagt Harald Welge aus der evangelischen Landeskirche Braunschweig. Die Kirchen sind nun dabei, ihr Dienstrecht den neuen Verhältnissen anzupassen.

Welge ist als Mitglied der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) an den Beratungen über eine Novellierung des Pfarrergesetzes beteiligt. Die Synode tagt seit Sonnabend in Goslar. Pfarrer wie er sollen zu dem verpflichtet werden können, was viele ohnehin schon leisten: zusätzliche Aufgaben übergemeindlicher Art oder in anderen Gemeinden zu übernehmen.

Die VELKD reagiert damit auf sinkende Mitgliederzahlen. In ihren Publikationen geht die VELKD noch davon aus, dass sie 10,4 Millionen Kirchenmitglieder vertritt. Den neuesten Zahlen zufolge kommen allerdings die acht Mitgliedskirchen Bayern, Braunschweig, Hannover, Mecklenburg, Nordelbien, Sachsen, Schaumburg-Lippe und Thüringen nicht mehr ganz auf zehn Millionen Mitglieder. Entsprechend wird die Zahl der Pfarrstellen reduziert.

Die wichtigste Antwort darauf heißt: Gemeindegrenzen überschreiten und regional zusammenarbeiten. Die VELKD hat die Gesetzesnovelle nicht nur kirchenrechtlich, sondern auch theologisch geprüft. In der Begründung zum Kirchengesetz heißt es, es komme darauf an, das Evangelium wirksam zu verkünden. Es gebe keine theologischen Gründe für eine bestimmte Organisationsform. Das für die Lutheraner geltende Augsburger Bekenntnis beschreibe das Bischofsamt als Aufsichtsamt und weise so darauf hin, dass die Selbständigkeit der einzelnen Gemeinden begrenzt sei.

Mit der Novellierung des Pfarrergesetzes will die VELKD auch eine "konsequente Personalentwicklung" vorantreiben. Wenn die Zahl der Mitarbeiter zurückgehe, müssten die VELKD und ihre Mitgliedskirchen für ein schärferes lutherisches Profil sorgen. Mitarbeiter müssten so qualifiziert und motiviert sein, dass sie eine noch stärkere missionarische Ausstrahlung entwickelten. Daraus folgt, dass für Pfarrer Fortbildung verpflichtend wird.

Für Synodale wie Welge ist dies ein wesentlicher Aspekt. Die Kirche müsse flexibel bleiben und auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren: "Ein Pfarrer muss sich ständig neu finden."

Manfred Laube

(epd Niedersachsen-Bremen/b3086/20.10.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen