Seminare der Mission fördern Verständnis für fremde Kulturen

Nachricht 18. Oktober 2007

Hermannsburg/Kr. Celle (epd). Der Pilot Peter Leciejewski hat erlebt, wie schnell es in fremden Ländern zu Missverständnissen kommen kann. "Kleinigkeiten können zu Konflikten führen", sagt er. Der 34-Jährige, der Flughäfen in Indien, China, den USA und Südamerika ansteuert, will solche Alltagsklippen umschiffen. In einem "Cross Culture Seminar" des Evangelisch-lutherischen Missionswerkes in Niedersachsen will er erfahren, was Menschen aus anderen Kulturen prägt und wie er selbst damit umgehen kann.

Das von drei evangelischen Landeskirchen getragene Missionswerk pflegt vom Heideort Hermannsburg aus Kontakte in 17 außereuropäische Länder. Die jahrzehntelangen Erfahrungen, die dabei gesammelt wurden, flössen in das viertägige Seminar ein, saqt Dozentin Nina Dürr. Neben eigenen Mitarbeitern des Werkes könnten dabei auch andere, die wie Leciejewski viel im Ausland unterwegs sind, ungeschriebene Regeln fremder Kulturen besser verstehen lernen.

"Wir haben Passagiere aus vielen Ländern, die muss ich einschätzen können", sagt der Pilot. Doch ihm geht es auch um ganz Alltägliches wie das Verhalten im Restaurant. Dürr erläutert im Seminar Unterschiede zwischen einer individualistischen Gesellschaft wie der deutschen und "Wir-Gesellschaften", bei denen der Zusammenhalt von Clans und Familien das Wichtigste ist. Sie gibt Beispiele für die unterschiedliche Auffassung darüber, was "gute Arbeit" bedeutet und welche Rolle Macht spielt.

Die Gynäkologin Christa von Oertzen berichtet von Schwierigkeiten, die sie nach zwölf Jahren Arbeit in afrikanischen Ländern noch immer hat. Zuletzt war sie Leiterin einer Krankenhausabteilung in Ghana. "Am Ende hatte ich massive Probleme mit meinen ghanaischen Vorgesetzten", sagt sie. Sie hätten nicht verstanden, dass sich die 52-Jährige mit Fachwissen nicht "wie ein kleines Mädchen" bedingungslos unterordnete.
"Das war ein Machtspielchen."

Von Oertzen wird voraussichtlich im kommenden Jahr im Auftrag des Hermannsburger Missionswerkes als Ärztin nach Zentralafrika gehen. "Es ist gut, über eigene Hintergründe und Probleme, die man hatte, nachzudenken", sagt sie. Im "Cross Culture Seminar" üben die Teilnehmer von der Theologiestudentin bis zum Computeringenieur auch, wie sie sich in Situationen verhalten würden, die Mitarbeiter der Mission tatsächlich erlebt haben.

Das dadurch Unterschiede nicht einfach verschwinden, ist allen klar.
Katharina Rausch will nach ihrem Studienabschluss im kommenden Jahr nach Sibirien ziehen, wo ihr Mann als Pastor für das Missionswerk arbeitet.
Sie stelle sich zum Beispiel darauf ein, dass in Russland auf Autoritäten viel mehr Wert gelegt wird, als sie es gewohnt ist. Sie hat sich vorgenommen, die andere Kultur zu ihrem Recht kommen zu lassen ohne dabei ihre eigene Werte zu verraten: "Ich will authentisch bleiben."

Karen Miether

epd Niedersachsen-Bremen/b3051/18.10.07)
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