Landesbischöfin: Rechtsextremismus ist Gift für unser Land

Nachricht 16. Oktober 2007

Hermannsburg (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann
hat Schulen, Vereine und Kirchengemeinden zu einer kritischen
Auseinandersetzung mit rechtsradikalem Gedankengut aufgerufen.
"Rechtsextremismus ist Gift für unser Land", sagte Käßmann am Dienstag
bei einer Tagung der evangelischen Landeskirche in Hermannsburg bei
Celle. Käßmann und andere Experten warnten dabei vor einem Erstarken des
Rechtsextremismus im bürgerlichen Gewand.

Für Niedersachsen habe der Verfassungsschutzbericht 2006 rund 1800
rechtsextreme Straftaten aufgelistet. Dies sei mehr als dreimal so viel
wie in der linksextremen Szene, sagte Käßmann.
Der Titel der Tagung "Wir erobern die Städte vom Lande aus..." greife
ein Motto der Rechtsextremisten auf, die versuchten, ihre Angebote
gezielt in Kleinstädten und Dörfern zu verankern. Wer sich intensiver
mit dem internen Wahlkampfpapier der NPD für die niedersächsische
Landtagswahl im Januar befasse, erkenne darin einen Angriff auf die
Freiheit. Es gehe um Einschüchterung und den gezielten Versuch, die
Gleichheit zu beseitigen.

Besonders Jugendliche müssten sensibilisiert werden. Sie seien oft
das Ziel rechter Propaganda. Das Durchschnittsalter der NPD-Mitglieder
betrage 35 Jahre. Damit sei die NPD die jüngste Partei in Deutschland.
"Hier sind wir als Christen gefragt: als Seelsorger, aktive kirchliche
Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit, aber auch in den Vereinen
und kommunalen Organisationen", hob die Bischöfin hervor.

Ein Aussteiger berichtete, dass sich die Szene geöffnet habe. Es sei
dabei Strategie, sich zum Beispiel mit Musik und Sportveranstaltungen an
den Wünschen von Jugendlichen zu orientieren, die sonst keine Angebote
vorfänden.

Reinhard Koch von der "Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt"
in Braunschweig sagte, rechtsextreme Parteien versuchten, mit sozialen
Themen an die Ängste der Bevölkerung anzuknüpfen. Die Ideologie und das
Programm der rechtsextremen Parteien hätten mit einem demokratischen
Menschenbild aber nichts zu tun.

Auch der Leiter der Arbeitsstelle Friedensarbeit in der
hannoverschen Landeskirche, Pastor Klaus Burckhardt, rief zu
Zivilcourage auf. Es sei wichtig, sich um diejenigen zu kümmern, die für
ihre Zukunft keine Perspektive sehen: "Sonst lassen wir zu, dass
Trittbrettfahrer die soziale Frage besetzen, die nichts anderes wollen,
als einen autoritären Führerstaat."

Studien zufolge soll es in Deutschland ein rechtspopulistisches
Potential von bis zu 26 Prozent der Bevölkerung geben. Mehr als 60.000
Niedersachsen hätten bei der letzten Kommunalwahl rechtsextremen
Gruppierungen ihre Stimme gegeben, sagte Gerd Bücker von der
"Clearingstelle Rechtsextremismus" des Landespräventionrates. Die
Rechtsextremen würben als Bürgerinitiativen getarnt mit scheinbar
harmlosen Aktionen und verteilten Flugblätter an Schulen.

Zu der Veranstaltung waren mehr als 100 Vertreter aus
Kirchengemeinden, Verbänden, Kommunen und Schulen gekommen. Sie wollen
Strategien und Netzwerke, wie es sie an einigen Orten bereits gibt,
weiter entwickeln. (epd Niedersachsen-Bremen/b3044/16.10.07)

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