"Ein Segen sein – unsere Kirche auf dem Weg in die Zukunft"

Nachricht 06. Oktober 2007

Tag der Kirchenvorstände in Hannover

Vortrag von Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann im Original (s. unten Downloads)

Landesbischöfin: Kirche darf nicht zu introvertiert werden

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat davor gewarnt, dass die Kirche zu introvertiert wird. "Wir erreichen nur einen kleinen Ausschnitt unserer Mitglieder mit unseren Angeboten, das sollte uns umtreiben", sagte die evangelische Bischöfin am Sonnabend in Hannover vor rund 1.500 Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern. Es müsse überlegt werden, wie Menschen aller Altersgruppen und sozialer Herkunft angesprochen werden könnten.

Dies dürfe aber nicht anbiedernd geschehen, sagte Käßmann. Vielmehr gelte es, die Schätze christlicher Tradition für sich selbst neu zu entdecken und anderen zugänglich zu machen. Sie wünsche sich zwar Gottesdienst-Reformen, diese dürften aber nicht auf Kosten der Inhalte gehen, erläuterte die Bischöfin. Es habe durchaus einen Sinn, alte Formen beizubehalten und Neues auszuprobieren. Der "Tag der Kirchenvorstände" der hannoverschen Landeskirche mit Vorträgen, Foren, Workshops und einem Gottesdienst stand unter dem Motto "Ein Segen sein".

Kirchenvorsteher leiten gemeinsam mit den Pastoren die mehr als 1.500 Kirchen- und Kapellengemeinden der Landeskirche. Käßmann würdigte das Engagement der Frauen und Männer. Jede und jeder bringe sich mit seinen Gaben ein und könne viel bewegen: "Ich wünsche mir, dass wir auch angesichts aller Herausforderungen glaubensfroh in die Zukunft blicken."

Die Bischöfin rief weiter dazu auf, über den eigenen Glauben zu sprechen. Zum Beispiel dürfe in evangelischen Kindergärten das Gebet nicht wegfallen, nur weil ihn auch nicht christliche Kinder besuchten.

Zugleich sollten Christen sich zu gesellschaftlichen Themen wie dem Rechtsextremismus oder der Sterbehilfe mutig zu Wort melden und für die Menschenwürde einstehen. Die hannoversche Landeskirche ist mit rund drei Millionen Mitgliedern die größte evangelische Landeskirche in Deutschland.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2921/05.10.07)
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Zupacken und "ein Segen sein" -
Rund 1.500 Kirchenvorsteher treffen sich in Hannover

Von Karen Miether (epd)

Hannover (epd). Bettina Burkowski hat sich beim "Tag der Kirchenvorsteher" jede Menge Broschüren eingesteckt. Vor allem am Infostand der Evangelischen Jugend findet sie am Sonnabend in Hannover Anregungen. "Ich gehöre nicht zu denen, die sich immer nur beschweren", sagt die 31-Jährige. Statt dessen packt sie zu: "Ich stelle lieber selber etwas auf die Beine." Seit dem vergangenen Jahr engagiert sie sich deshalb im Kirchenvorstand ihrer evangelischen Gemeinde in Osnabrück. Sie leitet den Kinderchor und setzt sich in der Jugendarbeit ein.

Rund 1.500 Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher aus der größten evangelischen Landeskirche Deutschlands sind am Sonnabend in das "Hannover Congress Centrum" gekommen, um sich unter dem Motto "Ein Segen sein" Impulse zu holen. Der "Tag der Kirchenvorsteher" solle auch eine Kraftquelle für diejenigen sein, die sich in den Gemeinden einsetzen, sagt Landesbischöfin Margot Käßmann in einem Vortrag. Jede und jeder bringe sich mit eigenen Gaben ein und könne viel bewirken: "Ich wünsche mir, dass wir glaubensfroh in die Zukunft blicken."

Käßmann warnt davor, dass sich die Kirche zu sehr in sich selbst zurückzieht. Statt dessen müsse sie einladend sein, sagt sie. Auf einem "Markt der Möglichkeiten" präsentieren mehrere Dutzend Einrichtungen aus Kirche und Diakonie ihre Arbeit. Von Meditation bis zur Verwaltung im Landeskirchenamt vom Pilgern bis zum Fundraising reicht die Spannbreite.
Ein Forum in der Messehalle stellt vor, wie Gottesdienste in verschiedener Form gestaltet werden können.

"Die Form, die wir meistens am Sonntag um zehn Uhr erleben, ist die traditionelle", sagt der Geistliche Vizepräsident der hannoverschen Landeskirche, Arend de Vries. Aber auch sie biete bereits viele Möglichkeiten. Kirchenvorsteher sind zuständig dafür, wie in ihrer Gemeinde Gottesdienst gefeiert wird. Aber auch Verwaltung und Finanzen gehören zu ihren Aufgaben.

Zusammen mit dem Pfarramt leiten die Ehrenamtlichen die rund 1.500 Kirchen- und Kapellengemeinden in der Landeskirche. "Da muss man Konflikte aushalten können", sagt Nikolaus Brüning, der in seiner Gemeinde bei Cuxhaven seit 15 Jahren ehrenamtlich den Friedhof verwaltet. Er musste schon Ärger einstecken, als die Erde über einem Grab zu tief einsackte. Brüning will deshalb etwas über Konfliktbewältigung lernen, denn insgesamt mache ihm sein Amt Spaß, versichert er.

Auch schwindende Finanzen und Mitgliederzahlen der Kirche sind beim "Tag der Kirchenvorsteher" ein Thema. Ein Stand informiert über Stiftungen und Fundraising als zusätzliche Einnahmequellen. "Die Nachfrage ist umwerfend", berichtet Pastor Stephan Eimterbäumer aus Gifhorn, der zu den Experten gehört. Bettina Burkowski aus Osnabrück zumindest will anstehende Sparzwänge nicht nur negativ sehen: "Das lähmt nur. Wenn man das aber als Herausforderung sieht, wird man kreativ.

(epd
Niedersachsen-Bremen/b2926/06.10.07)
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