EKD-Theologe: Christlich-muslimisches Gebet schwierig

Nachricht 26. September 2007

Stade (epd). Der Präsident des Kirchenamts der Evangelischen Kirche
in Deutschland (EKD), Hermann Barth, hat gemeinsame Gebete von Christen
und Muslimen weitgehend abgelehnt. Dabei könnten wichtige Traditionen
verloren gehen, sagte er am Mittwoch in Stade. Die Gemeinschaft im Gebet
sei für Angehörige unterschiedlicher Religionen "die schwierigste
Übung". Barth äußerte sich vor der Vollversammlung der etwa 320
evangelisch-lutherischen Pastorinnen und Pastoren zwischen Elbe und
Weser zum Verhältnis von Christentum und Islam.

Für den EKD-Theologen ist nur dann ein gemeinsames Gebet mit
Muslimen möglich, wenn es den Frömmigkeits-Traditionen der beteiligten
Religionen nicht widerspricht. So sei für ihn ein christliches Gebet
ohne Anrufung von Jesus Christus undenkbar, erläuterte Barth vor dem
Generalkonvent im Sprengel Stade. Wer das jeweils eigene Profil
abschleife oder ganz unkenntlich mache, bezahle einen hohen Preis: "Es
kommt gar nicht zu einer wirklichen Begegnung. Die Gemeinschaft ist
nicht echt, sondern nur vorgetäuscht."

Im Verhältnis zwischen Christen und Muslimen komme es darauf an,
Gemeinsamkeiten wie den Glauben an den einen Gott besser zu verstehen,
sagte Barth. Gleichzeitig sei eine Auseinandersetzung mit religiösen
Bräuchen wie dem Kopftuch für Frauen und dem Schächten nötig.
Unterschiede dürften nicht verwischt werden. Zum Dialog zwischen den
Religionen gebe es aber keine Alternative: "Ohne einen Frieden der
Religionen gibt es auch keinen Frieden zwischen den Kulturen."

"Die Zeit drängt", sagte Barth. Es gehe darum, Konflikten und
Kriegen vorzubeugen, die an den kulturellen und religiösen Bruchlinien
der Weltgesellschaft drohten. Deshalb sei ein intensiver
christlich-muslimischer Dialog "dringlich, ja überlebenswichtig". Er
könne nur geführt werden, wenn es eine Balance gebe zwischen Toleranz
und Kritik, geduldigem Warten und ungeduldigem Drängen: "Jeder Ton der
Besserwisserei schadet nur."

Der Stader evangelische Landessuperintendent Manfred Horch ergänzte,
beim Dialog der Religionen komme es darauf an, "dass wir die Schätze
unseres Glaubens darstellen, ohne Arroganz, aber selbstbewusst und
klar". Zu diesen Schätzen gehörten die Gottesliebe und die
Nächstenliebe. Mit rund drei Millionen Gläubigen ist der Islam nach dem
Christentum die zweitgrößte Religion in Deutschland.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2827/26.09.07)
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