Bischof Weber: Evangelikale und Fundamentalisten unterscheiden

Nachricht 24. September 2007

Lob für Pietisten: Sie sind das Salz in der Suppe der Landeskirche

Schmitten (idea). Gegen eine Gleichsetzung von Evangelikalen und Fundamentalisten hat sich der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), Bischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel), gewandt. Fundamentalisten seien „gefährlich“ – christliche ebenso wie islamische -, weil sie einfache Lösungen anböten. Dies sei bei Evangelikalen weitgehend nicht der Fall, sagte der braunschweigische Landesbischof bei einer Tagung, die vom 21. bis 23. September in der Evangelischen Akademie Arnoldshain (Schmitten/Taunus) stattfand. Dabei ging es um das Verhältnis von evangelischer Kirche und evangelikaler Bewegung. Fundamentalisten warf Weber vor, nicht zu differenzieren: „Sie kennen nur gut oder böse, schwarz oder weiß.“ Sie hätten auch keinen Respekt davor, wie andere ihren Glauben artikulierten. Im Gegensatz zum Fundamentalismus wolle die evangelikale Bewegung nicht nur eine negative Reaktion auf die moderne Gesellschaft sein, sondern diese mitgestalten. Weber definierte Evangelikale als eine theologische Richtung, „in die sämtliche konservative und orthodoxe Ausprägungen des evangelischen Glaubens eingeordnet werden können“. Lobend äußerte sich der Bischof über die Pietisten: „Sie sind das Salz in der Suppe der Landeskirche.“

Trotz Ökumene immer neue Kirchengründungen
Weber vertrat ferner die Ansicht, dass trotz aller ökumenischen Verständigungsbemühungen das Christentum keineswegs einheitlicher werde. Während es um 1900 weltweit 1.900 verschiedene Kirchen gegeben habe, seien es heute etwa 38.000. Wenn man die derzeitige Wachstumsrate der Kirchenbildung von 1,97 Prozent pro Jahr fortschreibe, werde es im Jahr 2025 gut 55.000 Kirchen geben. Besonders rasant verändere sich die religiöse Landschaft in Lateinamerika. Dort entstünden täglich neue Pfingstkirchen, was beim Vatikan höchste Verunsicherung ausgelöst habe. Mitte 2006 habe die Zahl der Pfingstler bei fast 600 Millionen gelegen. Daneben gebe es rund 400 Millionen weitere Protestanten, 1,1 Milliarden Katholiken und 260 Millionen orthodoxe Christen.

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