Probleme am Arbeitsmarkt belasten Familien

Nachricht 19. September 2007

Celle (epd). Die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt wirkt sich nach Ansicht von Experten zunehmend auf die Beziehungen von Paaren aus.
"Wer Arbeit hat, steht unter Druck", sagte der Psychotherapeut Wolfram Möller vom Evangelischen Beratungszentrum in Celle am Mittwoch. Doch auch die Perspektivlosigkeit von Hartz-IV-Empfängern trage Konflikte in Familien. Zugleich seien die emotionalen Erwartungen an Partnerschaft und Ehe gestiegen: "Über diese Erwartungen wird aber zu oft nicht gesprochen."

Im Bereich der Schwangerenberatung geht es nach Angaben der Berater fast immer auch um finanzielle Not. Viele Menschen hätten große Angst vor einem sozialen Abstieg, sagte der Pastor und Diplom-Psychologe Gernot Zühlke, der das Beratungszentrum leitet. Nach wie vor seien Beziehungsprobleme der häufigste Anlass für Menschen, sich Hilfe zu suchen. Oft gebe es Brüche, wenn das erste Kind geboren wird oder erwachsene Kinder aus dem Haus gehen.

Ein häufiger Wechsel des Arbeitsplatzes und die erhöhte Anforderung an Mobilität tragen nach den Erfahrungen der Berater ebenfalls zu Problemen bei. Einige Ratsuchende hätten neben ihren Ehe- und Lebenspartnern kaum noch ein soziales Umfeld. "Manchmal landen Leute hier, die einfach mit jemandem reden wollen", sagte die Ehe- und Lebensberaterin Elena Corti-Ploj: "Früher wären sie von Familie und Nachbarschaft aufgefangen worden."

Das Evangelische Beratungszentrum in Celle, das zu den größten in der hannoverschen Landeskirche gehört, begeht am 25. September sein 35-jähriges Bestehen. Die Anzahl der Menschen, die dort Hilfe suchen, hat sich der Statistik zufolge seit der Gründung 1972 auf fast 1.200 im Jahr 2006 nahezu verzehnfacht. Allerdings seien auch die Angebote ausgeweitet worden, sagte Gernot Zühlke.

Das Zentrum wird vom Kirchenkreis Celle getragen und durch kirchliche und öffentliche Mittel sowie Kostenbeiträge der Klienten finanziert. Es arbeitet auch mit dem katholischen Bistum Hildesheim zusammen. Zu dem zehnköpfigen Team gehört auch eine katholische Beraterin. Beraten wird unabhängig von der Religionszugehörigkeit und unter Einhaltung der Schweigepflicht. In Folge des Zugunglücks vor neun Jahren im Nachbarort Eschede hat das Zentrum auch Hilfen für traumatisierte Menschen ausgebaut.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2740/19.09.07)
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