Kästorfer Diakonie: Armut in Städten nimmt weiter zu

Nachricht 18. September 2007

Gifhorn (epd). Die Diakonischen Heime Kästorf und die Stiftung Wohnen und Beraten müssen sich nach eigenen Angaben auf neue Rahmenbedingungen einstellen. Die Armut in den Städten nehme weiter zu. Andererseits gebe es kaum noch den klassischen Obdachlosen, der auf der Landstraße unterwegs sei, sagten die beiden Vorstände Hans-Peter Hoppe und Jens Rannenberg in einer Pressekonferenz am Dienstag. Die Kästorfer Diakonie, die vor 124 Jahren als Arbeiterkolonie gegründet wurde, legte ihren Jahresbericht 2006/2007 vor.

Die Zahl der Wohnungslosen in der Bundesrepublik sei von 50.000 im Jahr 2003 auf 20.000 im Jahre 2006 zurückgegangen, erläuterte Rannenberg. Kästorf habe in diesem Jahr so gut wie keine Zugänge von Menschen auf der Straße gehabt. Die Diakonie verlagere ihr Engagement beispielsweise in Stadtteilbüros wie in Braunschweig oder in Tagestreffpunkte wie in Gifhorn. Die Hilfe erfolge hier bereits im Vorfeld akuter Wohnungsnot.

In der Jugendhilfe könne der Vorsatz "ambulant statt stationär" unsinnig und teilweise lebensgefährlich sein, warnte Hoppe. Dies hätten in letzter Zeit die Schicksale mehrere Kinder gezeigt, die die Öffentlichkeit erschüttert hätten. In der Zusammenarbeit der Kästorfer Jugendhilfe mit den Behörden sei "ein neuer Prozess in Gang gesetzt" worden, sagte Hoppe. Er verlaufe nach dem Prinzip: "Das eine tun, ohne das andere zu lassen."

Die Kästorfer Kinder-, Jugend- und Familienhilfe unterhält unter anderem therapeutische und sozialpsychiatrische Wohngruppen in Gifhorn, Braunschweig, Wolfsburg, Celle und Lüneburg. Hier werden Kinder und Jugendliche mit erheblichen Defiziten und Störungen im Sozialverhalten betreut.

Die Diakonischen Heime, die Diakonischen Betriebe Kästorf und die Stiftung Wohnen und Beraten seien mit 1.090 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Region. Die finanzielle Situation sei solide. Es gebe auch keinen Instandhaltungsstau, betonten die beiden Vorstände.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2725/18.09.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen