Diakonischer Fachverband kritisiert pauschalisierende Negativ-Darstellung der Pflegesituation

Nachricht 11. September 2007

Hannover. „Die Pflegesituation in negativer Weise zu überzeichnen und unangemessen darzustellen ist kontraproduktiv. Diese Darstellung schürt die Ängste älterer Menschen, die auf eine ambulante Versorgung oder auf stationäre Pflegeeinrichtungen angewiesen sind“, erklärt Martin Raabe, Vorstandsvorsitzender des Niedersächsischen Evangelischen Verbandes für Altenhilfe und ambulante Dienste e. V. (NEVAP). „Die in verschiedenen Medien publizierten Darstellungen entsprechen nur eingeschränkt den tatsächlichen Fakten und können nicht verallgemeinert werden. Die Auseinandersetzung um die Aussagekraft der Prüfberichte des MDS zur pflegerischen Versorgung muss weiter geführt werden - sachdienlich und kundenorientiert“, so Raabe.

Bereits im Herbst 2003 hat der NEVAP gemeinsam mit den Evangelischen Kirchen und Diakonischen Werken in Niedersachsen mit der Kampagne „Für Menschlichkeit in der Altenpflege“ darauf hingewiesen, dass es Zeit zum Handeln ist. Seitdem haben sich die Rahmenbedingungen aber nicht verbessert.

Die Prüfergebnisse des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) haben ergeben, dass sich die Qualität von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen im Vergleich zum ersten Qualitätsprüfbericht verbessert hat. Dies ist in erster Linie den Qualitätsbemühungen der Pflegeeinrichtungen zuzuschreiben. Trotzdem müssen, wie auch dem Bericht des MDS zu entnehmen ist, die Anstrengungen zur Verbesserung in der Situation der Pflege weiter fortgeführt werden. Auch die Forderung nach mehr Transparenz in der Pflege und das Ziel, auf diese Weise mehr gesunden Wettbewerb zwischen den Einrichtungen herzustellen, liegen im Interesse der Diakonischen Werke in Niedersachsen.

Eine nicht sachlich geführte Diskussion über Qualität und Transparenz in der Altenpflege ist unverantwortlich, weil in der allgemeinen Wahrnehmung die große Zahl der Einrichtungen und Dienste in Mitleidenschaft gezogen wird, in denen pflegebedürftige Menschen zuverlässig und gut versorgt werden. In diakonischen Einrichtungen leisten hoch motivierte und sehr gut ausgebildete Mitarbeitende Tag für Tag einen menschlich engagierten und fachlich qualifizierten Dienst.

„Die Diakonie in Niedersachsen hat in den zurückliegenden Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Versorgungsqualität zu steigern. In regionalen Netzwerken arbeiten diakonische Einrichtungen an der Implementierung des Qualitätssicherungssystems Diakonie-Siegel Pflege“, erläutert Jörg Reuter-Radatz, Bereichsleiter für Gesundheit, Pflege und Rehabilitation im Diakonischen Werk der Landeskirche Hannovers. „Erarbeitete Leitlinien zur Umsetzung der nationalen Expertenstandards stehen den Einrichtungen zur Verfügung. Fortbildungsangebote und Qualifizierungsmaßnahmen für Qualitätsmanagementbeauftragte werden von den Landesverbänden der Diakonie durchgeführt“.

"Eine gute Pflege", so Martin Raabe, "kostet wie alles andere auch ihr Geld. Die Gesellschaft muss sich darüber klar werden, welche Prioritäten sie setzen will und wie sie mit ihren gealterten Menschen umgeht. Gute Pflege gibt es nicht zum Nulltarif und Preisdumping in diesem Bereich ist keine sinnvolle Alternative. Es wird Zeit, dass eine offene Diskussion darüber geführt wird, was wir im Sektor Pflege wollen und was wir bereit sind, hier auch zu zahlen".

Anlässlich der geplanten Pflegereform ist die sehr geringfügig geplante Anhebung des Pflegebeitrags um nur 0,25 Prozentpunkte zu überdenken. Hier ist nach wie vor die Politik gefordert, die Augen gegenüber der Realität weiter zu öffnen.

Weitere Informationen:
Martin Raabe, Tel.: 0175-2295452
Jörg Reuter-Radatz, Tel.: 0511-3604254

Hannover, 11.09.07

Pressemitteilung vom Diakonischen Werk der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers