Käßmann wirbt für Neuorientierung in der Ökumene

Nachricht 09. September 2007

Sibiu/Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin
Margot Käßmann hat nach der Dritten Europäischen
Ökumenischen Versammlung in Sibiu (Hermannstadt) für eine
Neuorientierung in der Ökumene plädiert. Zugleich zog sie
eine grundsätzlich positive Bilanz des Christentreffens in
Rumänien, das am Sonntag zu Ende ging. "Ich glaube, dass
das zwar nicht der Durchbruch, aber doch eine Ermutigung
für die ökumenische Bewegung war", sagte die evangelische
Theologin in einem epd-Gespräch.

"Für mich war schon wichtig, dass Sibiu stattgefunden hat",
fügte Käßmann hinzu. Es mache schon einen Unterschied, ob
man miteinander oder übereinander spreche. Sie sei selbst
oft ungeduldig, wenn es in der Ökumene nicht vorangehe,
räumte sie ein. Vieles sei sehr hierarchisch strukturiert,
auch hätte sie sich eine größere Beteiligung von
kirchlichen Basisbewegungen, von mehr Frauen sowie mehr
jungen Teilnehmern gewünscht. Dennoch möchte sie den
Kritikern solcher Versammlungen die Frage stellen: "Was ist
die Alternative?"

Zur Zukunft der Ökumene warb Käßmann für das
protestantische Kirchenmodell der "Leuenberger
Kirchengemeinschaft". Durch die Verabschiedung der
"Leuenberger Konkordie", der jahrzehntelange Lehrgespräche
vorausgingen, wurde 1973 eine über 450 Jahre währende
Trennung der evangelischen Kirchen in Europa beendet.
Dieses Abkommen sei das zurzeit beste Beispiel für ein
Kirchenmodell der versöhnten Verschiedenheit, "das wir
haben", so die Bischöfin der größten deutschen
evangelischen Landeskirche.

Damit blieben die Unterschiede der Konfessionen gewahrt.
Zugleich könnten sich die Kirchen als Kirchen sowie ihre
Ämter gegenseitig anerkennen und miteinander Abendmahl
feiern. Käßmann: "Das würde ich gerne ausbauen." Die große
Stärke der Kirchen der Reformation in Europa sei, "dass sie
Glaube und Vernunft, Aufklärung und Christentum, Demokratie
und Kirchesein zusammenhalten". Dieses Erbe könne durch die
Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) noch
stärker in die Ökumene eingebracht werden.

Zur Kritik orthodoxer Kirchen an einem angeblichen Verfall
der moralischen Werte in den protestantischen Kirchen des
Westens sagte Käßmann: "Orthodoxie ist nicht gleich
Orthodoxie. Das konnte man auch in Sibiu wieder lernen. Da
gibt es durchaus auch differenzierte Stimmen." Allerdings
sei es bei der östlichen Orthodoxie problematisch, wenn
dort ein sehr nationalistischer Ton angeschlagen werde. Die
deutschen Kirchen hätten in der NS-Zeit mit den Deutschen
Christen die bittere Erfahrung gemacht, "dass das
gefährlich ist für eine Kirche und dass die Trennung von
Staat und Kirche gut ist, auch für die Kirche".

(epd Niedersachsen-Bremen/b2613/09.09.07)
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