Von Vietinghoff für Mehrfachnutzungen von Kirchen

Nachricht 04. September 2007

Hannover (epd). Der Präsident des hannoverschen Landeskirchenamtes, Eckhart von Vietinghoff, hat sich dafür ausgesprochen, Kirchen außerhalb der Gottesdienste vermehrt für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen.
"Ein Kirchengebäude ist kein aus Denkmalschutzgründen unterhaltenes Museum, sondern sollte ein öffentlicher Ort für die ganze Gemeinschaft sein", sagte von Vietinghoff am Dienstag in einem epd-Gespräch anlässlich des bundesweiten "Tages des offenen Denkmals" an diesem Sonntag.

"Wir müssen in vieler Hinsicht mehr aus unseren Kirchen machen", forderte der promovierte Jurist. Der Kirchenraum könne auch fantasievoll als Gemeinschafts- und Versammlungsort der Kommune genutzt werden: "Da gehört Leben hinein." Dagegen warnte von Vietinghoff davor, sakrale Gebäude zu kommerzialisieren: "Jede Kirche, die erkennbar nicht mehr als Kirche genutzt wird, ist eine Anti-Predigt." Werde eine verkaufte Kirche zum Beispiel als Restaurant betrieben, entstehe der Eindruck, dass eine Kirche beliebig zu verwenden sei: "Das ist aber nicht so."

Deshalb habe die hannoversche Landeskirche bisher nur eine Handvoll Kirchengebäude aufgegeben. Die Kirchen zu erhalten, sei auch künftig ihre oberste Priorität. "Wenn es in Einzelfällen unumgänglich ist, dass wir uns von einem Gebäude trennen müssen und es keine angemessene kulturelle Nutzung gibt, bin ich eher dafür, den Schlüssel umzudrehen und die Kirche leer stehen zu lassen", betonte der Präsident.

Noch vor 50 Jahren hätten etwa 4.000 Kirchenmitglieder die Unterhaltungskosten für eine Kirche oder Kapelle getragen. Inzwischen seien es nur noch knapp 2.000. In den östlichen Bundesländern wie zum Beispiel in Sachsen-Anhalt müssten zum Teil 250 Menschen für den Unterhalt einer Kirche sorgen: "Das ist selbst bei angestrengtesten Bemühungen nicht zu leisten", sagte der Präsident.

Als größte Mitgliedskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) investiere die hannoversche Landeskirche mit 49 Millionen Euro jährlich knapp zehn Prozent ihres Haushalts in die Unterhaltung der gut 8.000 Gebäude. Davon seien 1.600 Kirchen und Kapellen. In den vergangenen Jahren seien außerdem über 200 Stiftungen und Fördervereine gegründet worden: "Aber auch diese können nicht allein die großen Lasten aufbringen", so der Jurist.

Von Vietinghoff bezeichnete die staatlichen Gelder für die Denkmalpflege als eher kümmerlich: "Wenn der Erhalt der historischen Gebäude, die den Geist, die Geschichte und auch die Zukunft eines Landes prägen, keine gesamtgesellschaftliche Aufgabe wird, ist dies ein kultureller Offenbarungseid und ein Armutszeugnis."

Künftig würden Kirchenumbauten für Mehrfachnutzungen der Gebäude unvermeidlich sein, erläuterte der Präsident: "Wenn wir das Gemeindehaus verkaufen, um die Kirche erhalten zu können, müssen wir das klassische Kirchengebäude für mehr Funktionen als bisher zugänglich machen." Dabei dürfe jedoch nicht in die Bausubstanz eingegriffen werden. Außerdem müssten die Erneuerungen rückbaubar und die Gestaltung anspruchsvoll sein.

Nicht jede Kirche zwischen Cuxhaven und Hann. Münden werde in Zukunft auf dem bisherigen hohen Niveau unterhalten werden können, kündigte von Vietinghoff an. Er sei sich aber sicher, dass es auch in 20 Jahren für jeden Kirchgänger in erreichbarer Nähe eine blühende und gut unterhaltene Kirche geben werde.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2511/04.09.07)
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