Schindehütte: Neue Phase im Dialog der Religionen

Nachricht 31. August 2007

Frankfurt a.M. (epd). Im Dialog der Religionen zeichnet sich nach dem Eindruck des evangelischen Auslandsbischofs Martin Schindehütte eine neue Phase ab. Bisher sei im interreligiösen Gespräch das Gemeinsame sehr betont worden, sagte Schindehütte in einem epd-Interview: "Das war wichtig für die Vertrauensbildung." Der Dialog müsse nun in eine vertiefte Phase eintreten, wobei es auch zu Konflikten kommen könne.

Dies gelte ebenfalls für das Gespräch der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit den muslimischen Verbänden, betonte der Bischof. Das Ende 2006 von der EKD vorgelegte Islampapier hatte heftige Kritik beim Koordinationsrat der Muslime, aber auch einzelnen Kirchenvertretern hervorgerufen. "Wenn es gut geht, dann wird es ein produktiver Konflikt, an dessen Ende beide Partner ein Stück weiter sind", sagte Schindehütte, der seit einem Jahr EKD-Auslandsbischof ist. Er leitet die Hauptabteilung "Ökumene und Auslandsarbeit" im EKD-Kirchenamt, dessen Vizepräsident er zugleich ist.

Der EKD-Auslandsbischof unterstrich, dass die evangelische Kirche auch gegenüber der Türkei und anderen islamisch geprägten Ländern für freie Religionsausübung eintrete. Die Gewährleistung der positiven Religionsfreiheit sei für die EKD ein zentrales Kriterium für einen Beitritt der Türkei zur EU.

"Natürlich müssen wir einfordern, dass in der Türkei genauso Kirchen gebaut werden könne wie in Deutschland Moscheen", erklärte der evangelische Theologe weiter. Einen Umkehrschluss, wonach Moscheebau nur erlaubt sein soll, wenn auch Kirchen in islamischen Ländern errichtet werden können, lehnte er aber ab: "Das führt allenfalls zu einer unproduktiven Eskalation."

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Interview mit EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte