Geschockte Menschen zwischen Trümmern

Nachricht 29. August 2007

„Wir dachten, das Ende der Welt sei gekommen!“, „Viele haben gekniet und gebetet ...“ berichtet ELM-Missionar Marcus Garras betroffen von den Reaktionen der Menschen im südlichen Peru. Am 15. August bebte dort die Erde, Zerstörungen gab es besonders in Ica sowie den Städten Chincha und Pisco. „Alle wollen helfen“, schildert Garras die Stimmung im Land. Auch seine Gemeinden in Trujillo wollten etwas tun, obwohl sie 800 Kilometer entfernt liegen. Weil bereits Hilfstransporte überfallen wurden, reisten aus Sicherheitsgründen nur sieben Männer aus den Gemeinden San Andrés und Cristo Vive, darunter ein Arzt, vom 23. bis 26. August ins Erdbebengebiet.

„Ich habe ein neues Wort lernen müssen“, sagt Garras, der seit Jahren in Peru lebt und fließend Spanisch spricht, „Escombros: Trümmer“. Das eine Krankenhaus in Chincha ist einsturzgefährdet, weil bei seinem „erdbebensicheren“ Bau leider die erforderlichen Verstärkungen „vergessen“ wurden; das andere ist hoffnungslos überlastet. Verletzte müssen daher in das 200 Kilometer entfernte Lima transportiert werden, wo inzwischen alle Erdbebenopfer kostenfrei medizinische Versorgung bekommen.

Hilfsgüter scheinen nicht immer bei den Betroffenen anzukommen. Wer Angehörige oder sein Zuhause verloren hat oder verletzt wurde, kann sich nicht so gut gegen jene durchsetzen, die aus Armut den Kampf ums Überleben täglich aufnehmen. Wasser-, Strom- und Telefonleitungen werden langsam wiederhergestellt, doch die Angst vor Seuchen ist groß. Noch immer sind nicht alle Toten beerdigt, so auch der Vater einer Frau, die Garras und seine Gruppe besuchten. „Mit einer Atemmaske sitzt sie buchstäblich auf den Trümmern ihres Hauses“, erzählt er. Der Vater ist in den Trümmern begraben, eine Tochter schwer verletzt im Krankenhaus in Lima. „Wir haben sie getröstet und ihr etwas Geld zugesteckt; Lebensmittel wären sehr auffällig gewesen und hätten Neid oder sogar Überfälle von Plünderern provozieren können. Geld dagegen lässt sich dezenter weitergeben – und fördert die langsam wieder öffnenden Märkte.“

„Viele Leute sind in einem Schockzustand; Seelsorge wird dringend gebraucht“, so das Resümee von Garras. Bei der Pfarrkonferenz der Ev.-luth. Kirche in Peru (ILEP) will er außer materieller Hilfe auch Seelsorgezelte vorschlagen, damit die Menschen über das Erlebte sprechen können und Mut für die Zukunft zu bekommen.

Garras ist als Mitarbeiter des Ev.-luth. Missionswerkes in Niedersachsen in dessen brasilianische Partnerkirche ILEP entsandt, um Gemeinden aufzubauen und zu betreuen.
Spendenkonto 91 91 91 bei der Sparkasse Celle (BLZ 257 500 01), Stichwort „Erdbeben Peru“ oder im Internet unter www.spenden-fuer-mission.de.

Hermannsburg, 29.8.2007

Presseinformation vom
Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM)
Internet: www.elm-mission.net