Käßmann: Europa braucht dringend christliche Positionen

Nachricht 28. August 2007

Hannover/Sibiu (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann erwartet von der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung Anfang September im rumänischen Sibiu (Hermannstadt) belebende Impulse für die Zusammenarbeit der Kirchen. Vor allem müssten die Kirchen nach außen stärker mit einer Stimme sprechen, forderte sie am Dienstag in Hannover in einem epd-Gespräch: "Wir brauchen dringend christliche Positionen in Europa." Das gelte etwa für Fragen der Globalisierung, des Friedens und der Flüchtlingspolitik.

In Sibiu treffen sich vom 4. bis 9. September rund 2.100 Vertreter protestantischer und orthodoxer Kirchen sowie der römisch-katholischen Kirche. Käßmann gehört zu einer sechsköpfigen Delegation der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Aus Deutschland reisen insgesamt rund 160 Teilnehmer an, etwa die Hälfte von ihnen sind Katholiken.

Die Kirchen der südlichen Kontinente erwarteten von ihren Schwesterkirchen in Europa, dass sie sich für soziale Gerechtigkeit einsetzten und sich nicht abschotteten, sagte die Bischöfin: "Wir hören als Kirchen des Nordens diese Anfragen noch nicht deutlich genug."

Flüchtlinge bezeichnete Käßmann als "Botschafter des Unrechts": "Die Menschen fliehen aus Afrika nicht, weil sie in unsere Sozialsysteme einwandern wollen, sondern weil sie aus Unrecht, Krieg und ökologischer Zerstörung heraus wollen." Deshalb müsse Europa über gerechte Handelsstrukturen nachdenken: "Jeder Mensch bleibt lieber zu Hause, wenn er dort Nahrung, Frieden und Obdach hat."

Die Bischöfin kritisierte, dass die Kirchen in Europa derzeit zu sehr mit sich selbst beschäftigt seien. Durch kritische Äußerungen des Vatikan zu den evangelischen Kirchen sei die Situation in der Ökumene insgesamt angespannt. Dennoch könnten von Sibiu neue Anstöße für das Miteinander der Kirchen kommen: "Von uns in Europa ist die Spaltung der Christenheit ausgegangen. Deshalb haben wir jetzt eine Verantwortung, Impulse für die ökumenische Bewegung zu setzen."

Bei dem Kongress in Sibiu sollen die Themen Spiritualität, Einheit der Kirchen, Europa, Religionen und Klimawandel beraten werden. Er wird getragen von der Konferenz Europäischer Kirchen und dem katholischen Rat der Europäischen Bischofskonferenzen. Erstmals findet ein Kirchentreffen dieser Art in einem von orthodoxen Christen geprägten Land statt. Sibiu ist zudem Kulturhauptstadt Europas 2007. Rumänien war erst im Januar der EU beigetreten. Die beiden ersten Ökumenischen Versammlungen fanden 1989 in Basel und 1997 in Graz statt.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2460/28.08.07)
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