Bischöfin Käßmann warnt vor Sterbehilfeverein "Dignitas"

Nachricht 27. August 2007

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat vor geschäftsmäßig agierenden Sterbehilfe-Vereinen wie "Dignitas" gewarnt. "Ich glaube, dass mit der aktiv und geschäftlich betriebenen Sterbehilfe ein immenses Problem auf uns zukommt", sagte Käßmann in einem Interview der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Montagsausgabe). Sie begrüße es, dass die niedersächsische Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) den in Hannover ansässigen Verein verbieten lassen wolle.

Immer mehr Menschen würden älter und damit lebensmüder, sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland: "Wenn Sterbevereine da eine schnelle Lösung vorgaukeln, müsste der Staat einschreiten." Die evangelische Kirche unterstütze Patientenverfügungen, in denen Kranke angeben könnten, wie weit bestimmte Therapien gehen sollten.

"Ich habe Respekt vor einem Menschen, der sagt, er möchte nicht mit Magensonden ernährt werden", so Käßmann. Aber dass ein möglicher medizinischer Schritt unterlassen werde, bedeute noch lange nicht, die Sterbehilfe zu akzeptieren. Die Tatsache, dass immer mehr alte Menschen niemandem zur Last fallen und sich möglichst noch anonym bestatten lassen wollten, sei ein Notschrei und der Ausdruck einer völlig entsolidarisierten Gesellschaft.

Außerdem kritisierte die Bischöfin die Bleiberechtsregelung für lange in Niedersachsen lebende Ausländer. Hier hätte sie sich mehr Herz gewünscht, sagte sie: "Abschiebungen von Menschen im Morgengrauen sind und bleiben unwürdig. So etwas sollte in einem zivilisierten Land nicht geschehen." Deshalb sei sie der Meinung, dass die Kirchen in der Flüchtlingspolitik noch einmal mit dem Land über die Standards menschenwürdigen Verhaltens reden sollten.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2448/27.08.07)
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