Psychologen: Beratung zu Eheproblemen nimmt zu

Nachricht 23. August 2007

Hannover (epd). Immer mehr Menschen mit Ehe- und Partnerschaftsproblemen nehmen nach Erfahrungen von Experten eine professionelle Beratung in Anspruch. Die Zahl der Beratungen zum Thema Trennung oder Scheidung sei im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gestiegen, sagte der Leiter des Evangelischen Beratungszentrums in Hannover, der Diplom-Psychologe Axel Kreutzmann, am Donnerstag vor Journalisten bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2006: "Paare liebäugeln sehr schnell mit dem Gedanken auseinanderzugehen."

In vielen Fällen könne eine Beratung jedoch dazu beitragen, dass die Partner gemeinsam aus einer Krise herauskämen und es noch einmal miteinander versuchten. Zwar könne auch eine Trennung eine Lösung der Probleme sein, sagte Kreutzmann: "Zusammenbleiben ist aber der bessere Weg, besonders wenn Kinder da sind." Die psychologische Beratungsstelle gehört zu den größten in der Region Hannover. Aufgrund von Stellenkürzungen ging jedoch die Zahl der beratenen Personen gegenüber dem Vorjahr insgesamt von 2.208 auf 1.976 zurück.

Vielfach seien Ehen und Partnerschaften mit unrealistischen Ansprüchen überfrachtet, erläuterte die Diplom-Psychologin Ulrike Dienstbach: "Es gibt ein übersteigertes Bedürfnis nach Harmonie." Aus einer romantischen Liebesvorstellung entspringe der Wunsch, dass die Partner immer einig sein müssten. Dabei gerate oft außer acht, dass jeder Partner seine eigenen Meinungen und Interessen habe: "Anders zu sein bedeutet nicht, dass man sich nicht mehr liebt." Wenn es zu Streit komme, müssten die Partner lernen, die Auseinandersetzung konstruktiv auszutragen.

"In guten Partnerschaften kommt es durchaus zu Streit", ergänzte Kreutzmann: "Aber die Beteiligten sind konfliktfähig." Wichtig sei es, nach Kompromissen zu suchen, auf Schuldzuweisungen zu verzichten und dem anderen nicht das Gefühl einer Niederlage zu geben. Neben Machtkämpfen in der Partnerschaft seien Fremdgehen sowie der Auszug der Kinder für viele Paare ein Grund dafür, eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Auch suchten inzwischen auffallend viele ältere Menschen und Paare ab 60 Jahre eine Beratungsstelle auf.

Internet: www.diakonisches-werk-hannover.de/oswi.htm

(epd Niedersachsen-Bremen/b2415/23.08.07)
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