Rund 6.000 Jesiden bei Trauerkundgebung in Hannover

Nachricht 18. August 2007

Hannover (epd). Rund 6.000 Jesiden haben nach Schätzungen der Polizei am Sonnabend an einer Trauerkundgebung in Hannover teilgenommen. Bei einem der schwersten Anschläge seit dem Ende des Regimes von Saddam Hussein waren am Dienstag etwa 200 Menschen in der größten Jesiden-Region im Nordirak ums Leben gekommen. Rund 70 Prozent von ihnen seien Frauen und Kinder gewesen, hieß es bei der Veranstaltung. Zu dem Trauermarsch hatten jesidische Vereine in Deutschland und die Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen aufgerufen.

Auf zahlreichen Plakaten baten die Jesiden bei ihrem Trauermarsch durch die Innenstadt um Unterstützung. "Wir appellieren an Deutschland und Europa, diesem Holocaust der Neuzeit nicht länger zuzusehen", hieß es. Neben vielen deutschen Fahnen wurden vereinzelt auch amerikanische Flaggen geschwenkt, und Plakate trugen die Aufschrift "President Bush help us".

Der Generalsekretär der Menschenrechtsorganisation, Tilman Zülch, forderte bei der Kundgebung auf dem Opernplatz eine politischeLösung. "Nur eine Volksabstimmung kann Aufschluss darüber geben, ob die Mehrheit der jesidischen Bevölkerung den Anschluss an das nordirakische Kurdistan wünscht." Jesidische Politiker plädierten dafür, der Region einen autonomen Status innerhalb Kurdistans zu geben, sagte Zülch.

Im Irak, wo der yezidische Glauben entstanden ist, leben Schätzungen zufolge 100.000 bis 500.000 Yeziden. Die Religionsgemeinschaft ist außerdem unter Kurden in Syrien, der Türkei, im Iran, in Armenien, Georgien und Deutschland verbreitet. Weltweit wird ihre Zahl auf bis zu 800.000 geschätzt, in Deutschland sollen rund 45.000 leben.

Die Religion vereint muslimische, christliche und jüdische Elemente. Ihre Anhänger wurden und werden vielerorts als "Teufelsanbeter" beschimpft und verfolgt. Im Kern steht der Glaube, dass der wegen Ungehorsams gefallene Engel Luzifer von Gott begnadigt wurde. Diejenigen, die ihn verehren, sind die Auserwählten. Yeziden ist es verboten, den Ausdruck "Satan" zu verwenden. Bei ihnen gibt es stattdessen den "Pfauenengel", der in Bronzestatuen abgebildet wird.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2363/18.08.07)
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