Christliche Fans setzen auf die friedensfördernde Botschaft des Evangeliums

Nachricht 17. August 2007

Die Hamburger dürfen an diesem Wochenende zu Hause bleiben. Sie erwarten die Elf von der Werksmannschaft aus Leverkusen und deren Fans. Auch die Berliner werden dieses Wochenende ihre Mannschaft im Heimstadion unterstützen – zu Gast die Schwaben, die in der letzten Saison die Meisterschaft gewonnen haben. Dafür müssen die Fans aus Dresden sich mit ihrer Mannschaft auf den Weg nach Magdeburg machen. Ob Bundesliga oder Regionalliga, letztendlich ist es immer das Gleiche: Die Fans reisen den Mannschaften zu den Auswärtsspielen nach, bei den Heimspielen bilden sie in der Stadionkurve unübersehbar die Kulisse, die der Gegner zuerst überwinden muss. Doch so sehr die gemeinsame Hoffnung auf den Sieg des eigenen Vereins die Fans zusammenschweißt, so sind sie doch nicht immer gleich. Die Botschaft mancher Fans ist dort am Volkspark nicht zu übersehen: "Jesus heilt" steht in großen, schwarzen Buchstaben auf dem Transparent, das die frommen HSV-Fans gern mit ins Stadion nehmen. Die fußballbegeisterten Mitglieder des christlichen Clubs "Totale Offensive" singen für die Hamburger, feuern van der Vaart und seine Mitspieler an, fiebern mit den anderen in der Fankurve und sie mischen sich ein, falls die Stimmung in Gewalt umzukippen droht.

In immer mehr Bundesligastädten schließen sich christliche Fußballfans zusammen. Im Juli 2005 gründete sich die "Totale Offensive", mittlerweile machen mehr als 300 Mitglieder mit. Damit stellen die Christen nach nur zwei Jahren schon einen der größten offiziellen HSV-Fanclubs. Die Fans stammen aus mehr als 50 Kirchengemeinden. Vertreten sind Mitglieder aus Freikirchen und Landeskirchen, Protestanten und Katholiken. Ihr Anliegen – neben dem Zeugnis für ihren Glauben – ist es, Suchtverhalten und Gewaltbereitschaft in und außerhalb der Stadien zu widerstehen.

"Unser Fanclub hat das Ziel, Menschen im Umfeld des HSV zu helfen, die ihren Alltag nicht mehr gesund bewältigen können, weil sie Probleme mit Suchtstoffen haben", heißt es in der Club-Broschüre. Häufig gelinge das auch, sagt Torsten Hüner, stellvertretender Vorsitzender der Hamburger "Totalen Offensive". Er kennt einen Fan, der mit den Christen zum UEFA-Cup-Spiel nach Kopenhagen fuhr. "Es war die erste Auswärtsfahrt, auf der er sich nicht übergeben hat", sagt Hüner. Erlaubt waren nur zwei Bier pro Mitfahrer.

Das Hamburger Beispiel macht Schule: Zwei Ableger hat die "Totale Offensive" bereits. In Berlin und Dresden gibt es seit kurzem gleichnamige Fanclubs. Hüner träumt von einem bundesweiten Netzwerk, in dem es um weit mehr als Fußball gehen soll. Zu Heimspielen nehmen die HSV-Fans häufig auch Kinder aus sozialen Problemvierteln mit. Der Club kümmert sich regelmäßig um diese Jugendlichen, um ihr Abgleiten in den Drogenkonsum zu vermeiden. Für sie ist Anfeuern nicht alles.

Null Toleranz gibt es gegenüber Rassismus und Beleidigungen. Die "Totale Offensive" mischt sich ein, wenn gepöbelt wird. Totale Offensive-Mitglied Uwe Stolzenburg kann sich noch gut an das letzte Auswärtsspiel beim SV Werder Bremen erinnern, dem großen Nordrivalen. Auf der Hinfahrt stiegen lautstarke, provokant auftretende Bremen-Fans in den Regionalexpress zu. "Als wir in Bremen ankamen, haben sie uns gesagt: ’Mensch, Ihr seid ja auch nur Fans’."

So viel Friedfertigkeit ist in deutschen Stadien nicht immer üblich. Auch der HSV hatte schon Probleme mit Hooligans. Wenn sie jetzt weniger in Erscheinung treten, hat das Experten zufolge mehrere Gründe: Besuche in modernen Stadien sind zu einem Familienerlebnis geworden, das verändert die Fanstruktur. Und: Die Polizei überwacht Gewalttäter stärker. Fangruppen beklagen sogar, dass auch unbescholtene Anhänger ins Visier geraten. Die Frage, ob christliche Fans befriedend wirken, lässt sich empirisch zwar nicht belegen. Aber die fußballbegeisterten Christen setzen auf die friedensfördernde Botschaft des Evangeliums.

Als "äußerst positiv und vorbildlich" bezeichnet Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die Offensive der christlichen Fußballfans. "Fans, die mit Zivilcourage den frevelhaften Parolen und Taten von Wirrköpfen entgegen treten, sind enorm wichtig", sagt Zwanziger. Er sei dankbar, wenn die Christen einen Beitrag dazu leisteten, dass die Fan-Kultur in Deutschland von Respekt, Toleranz, Friedfertigkeit und Fröhlichkeit geprägt werde. Unterstützung erhält der DFB-Präsident von Professor Gunter A. Pilz, Soziologe und renommierter Fanforscher. "Das Wichtigste im Kampf gegen Rassismus und Gewalt ist, dass die Fans selbst etwas tun und dabei von den Vereinen unterstützt werden", sagt Pilz. Dies sei viel effektiver als teure Polizeieinsätze.

Hamburger Fanclub "Totale Offensive - Gegen den Strom"
Frommster Fanclub des 1. FC Köln "TORa ET LABORA"

Fußballteam "These 96" der Jugendkirche Hannover

17. August 2007
EKD