Diakonie Osnabrück bietet Suchtberatung im Internet-Jugendportal

Nachricht 14. August 2007

"Susie43" fragt: Wie viel Alkohol ist noch normal?

Osnabrück (epd). "Susie43" weiß allein nicht mehr weiter. Wie viel Alkohol ist noch normal? Sie hat Angst, gemeinsam mit ihrem Freund in die Sucht abzurutschen, schreibt sie im Chat mit dem Suchtberater der Osnabrücker Diakonie, Dirk Litzberski-Otten. Durch ihren Spitznamen bleibt sie anonym: "Mein Freund meint, er wäre nicht süchtig und hätte alles im Griff." Diesen Satz kann Litzberski-Otten inzwischen im Schlaf singen. Seit gut einem Monat hat sich die Diakonie Osnabrück-Emsland mit dem Jugendportal "OS-Community" zur Suchtberatung im Internet zusammengetan - eine bundesweit einmalige Kooperation.

"Die meisten Jugendlichen können nicht einschätzen, was viel und was noch normal ist", sagt Diakonie-Geschäftsführer Hinrich Haake. Immer jüngere Jugendliche konsumierten immer mehr Alkohol. Auch der Cannabiskonsum nehme stetig zu. Diese Erscheinungsformen stellten die Suchthelfer mit ihren kostenlosen Beratungen vor neue Herausforderungen.

Von der Zusammenarbeit mit dem Internet-Jugendportal verspricht sich Haake eine größere Aufmerksamkeit vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Angesichts unseliger Modeerscheinungen wie Flatrate-Trinken und Koma-Saufen hofft er, dass vor allem der Umgang mit Alkohol bei den Nutzern der OS-Community zu einem Thema werde: "Wir wollen ein kritisches Bewusstsein dafür schaffen", betont der Geschäftsführer.

OS-Community ist nach eigenen Angaben mit annähernd 140.000 registrierten Nutzern die größte Internetseite im Großraum Osnabrück. Etwa jeder zweite von ihnen sei Schüler, sagt Stefan Berendes von der Betreiberfirma Basecom, die bundesweit mehr als 400 weitere regionale Communities betreibt. "Eine solche virtuelle Beratungsstelle könnte man auf jeder dieser Seiten einrichten. Wir hoffen, dass die Diakonie in Osnabrück Vorreiter für andere Suchthilfe-Einrichtungen in Deutschland ist."

Online-Berater Litzberski-Otten sagt, die Resonanz sei so gut, dass zur Zeit weitere Berater geschult würden, die ihn ab September unterstützen sollen. Das Themenspektrum seiner Einzel- und Gruppenchats ist breit. Es reicht vom Rauchen und Alkohol über Schnüffeln, Esssucht und Spielsucht bis zu harten Drogen. Die meisten Gesprächspartner sind zwischen 20 und 35 Jahren alt. Auffällig häufig melden sich Angehörige oder Freunde von Suchtkranken, die über ihre Sorgen und Unsicherheiten berichten.

Die Beratungsstelle im Netz ist unverbindlicher und anonymer als eine Einrichtung vor Ort. "Für unsere Kunden ist das Internet das selbstverständliche Medium. Die meisten würden nicht zu einer normalen Beratung gehen, weil sie Angst haben, sich zu outen", sagt Litzberski-Otten. Die Anonymität führt manchmal zu ganz persönlichen und längeren Kontakten. Bei "Susie43" hat sich die Angst vor der Alkoholsucht festgesetzt: "Bin ein wenig durch den Wind", gesteht sie und ist dankbar, als der Suchtberater ihr einen weiteren Chat-Termin anbietet.

Martina Schwager (epd)

Internet: www.oscommunity.de, www.suchtberatungsstelle.de,
www.das-beratungsnetz.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b2319/14.08.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen