Evangelische Kirche in Deutschland ist überraschend stabil

Nachricht 14. August 2007

Bayerischer Landesbischof weist Abgesänge auf den Protestantismus zurück

M ü n c h e n (idea) – Die Situation der evangelischen Kirche in Deutschland ist stabiler, als es die Öffentlichkeit wahrnimmt. In den vergangenen 30 Jahren ist die Zahl der Protestanten, die sich laut Umfragen ihrer Kirche eng oder zumindest ziemlich verbunden wissen, konstant bei rund 37 Prozent geblieben. Die Zahl der Kirchenaustritte nimmt nicht zu, dafür aber die Eintritte. Parallel dazu hat die Zahl der sogenannten „Austrittsgeneigten“ erheblich abgenommen. Darauf weist der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Johannes Friedrich (München), in einem Aufsatz hin, den er unter der Überschrift „Wie christlich ist Bayern im Jahr 2020?“ für die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung geschrieben hat. Laut Friedrich gehen jeden Sonntag fünf bis sieben Prozent der evangelischen Kirchenmitglieder zum Gottesdienst. Bundesweit sei die Zahl der Gottesdienstbesucher weitaus höher als die Zahl aller Fußballfans in allen Stadien zusammen. Es sei daher „interessant, einmal zu vergleichen, wie viele Seiten die Zeitungen der Berichterstattung über den Fußball widmen und wie viele Seiten der Berichterstattung über die Gottesdienste“.

Warum das Evangelium Politiker braucht
Für die Zukunft der Kirche wird es nach Ansicht des Bischofs auch auf die Politik ankommen. „Die Geschichte der östlichen Bundesländer zeigt, dass politische Systeme ganze Landstriche weitgehend entchristianisieren können.“ Umgekehrt könne die Politik ihren Beitrag dazu leisten, durch entsprechende Rahmenbedingungen das Christliche im Bewusstsein des öffentlichen Lebens zu erhalten. Dass viele Kirchenmitglieder mit christlichen Lehrsätzen nichts mehr anfangen können, sollte ihnen nach Friedrichs Überzeugung nicht zum Vorwurf gemacht werden. Vielmehr müssten sich Verkündiger fragen, ob und wie die zentralen Inhalte von Bibel und Bekenntnis stärker auf die Lebenswirklichkeit der Menschen bezogen und plausibel gemacht werden könnten. Das gelte etwa für Auferstehung Jesu Christi von den Toten oder seinen Sühnetod am Kreuz.

Kirchliche Quellen sind vertrocknet
Der Präsident des Bayerischen Landtags, Alois Glück (CSU), führt eine „mangelnde Strahlkraft“ des „C“ in der Politik nicht zuletzt auf die Entwicklung innerhalb der Kirchen zurück. Der Sozialstaat habe früher wesentliche Impulse aus den Grundüberzeugungen evangelischer Sozialethik und katholischer Soziallehre bekommen. „Diese Quellen in Kirchen und kirchlichen Organisationen sind im Hinblick auf die Aufgabenstellungen von heute weitgehend vertrocknet“, schreibt Glück. So seien die katholischen Sozialverbände gedanklich noch in der Welt des Kampfes von Arbeit und Kapital und dabei noch nicht in der globalisierten Welt angekommen. Außerdem böten weder evangelische Kirche noch katholische Kirche eine einheitliche Orientierung. „Ich habe im innerkirchlichen Bereich mehr Intoleranz erlebt als in der Politik“, kritisiert der Katholik. Ein weiterer Grund für den zurückgehenden Einfluss christlicher Positionen sieht Glück in einem pragmatischen Politikverständnis, das ein Festhalten an grundsätzlichen Orientierungen für „unmodern“ halte.

14.08.2007

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