EKD-Institut für mehr Engagement bei Armutsbekämpfung

Nachricht 13. August 2007

Frankfurt a.M./Hannover (epd). Die Rolle der Kirchengemeinden bei der Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung kann nach einer Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ausgebaut werden. Für die überwiegend von Mittelschichten geprägten Gemeinden böten armutsbezogene Projekte eine Chance, "an der Seite armer Menschen Kirche Jesu Christi zu sein", heißt es in einer am Montag in Frankfurt veröffentlichten Untersuchung.

Das Sozialwissenschaftliche Institut mit Sitz in Hannover befragte für die Studie 14 Kirchengemeinden in allen Regionen Deutschlands. Bei der Erhebung wurde eine "beeindruckende Vielzahl und inhaltliche Vielfalt" von Aktivitäten zur Bekämpfung von Armut registriert, die neben den traditionellen diakonischen Einrichtungen in den Gemeinden verankert sind.

Genannt werden in der von dem Theologen Heinrich W. Grosse verfassten Studie die Beteiligung an sogenannten Tafeln zur Ausgabe von Lebensmitteln an Bedürftige, die Ausgabe von Kleidern und Möbeln, Hilfe für Obdachlose, Beschäftigungsinitiativen, Arbeitskreise für Hausaufgabenhilfen und die Beratung und materielle Unterstützung von Migranten und Aussiedlern.

Grosse sieht als Voraussetzung für armutsorientierte Aktivitäten der Kirchengemeinden die Bereitschaft zur Überwindung von Milieugrenzen. Arme seien in evangelischen Kirchengemeinden in der Regel unterrepräsentiert. Die Armutsbekämpfung müsse nach dem Prinzip der "Hilfe zur Selbsthilfe" erfolgen. Die Armen sollten nicht als "Kunden", sondern als Mithelfende in Initiativen eingesetzt werden.

Das Sozialwissenschaftliche Institut sieht in Bildungsinitiativen und sozialdiakonischer Jugendarbeit weitere Möglichkeiten, der Ausgrenzung der sozial Schwachen entgegenzuwirken. Hintergrund der Studie ist ein Aufruf der EKD-Synode im November 2006, in jeder evangelischen Gemeinde ein Projekt zur Armutsbekämpfung zu starten. Die Studie hält diese Forderung für umsetzbar.

Die Ergebnisse der Untersuchung werden auf einer Tagung in der Lutherstadt Wittenberg vom 13. bis 15. September mit Experten diskutiert. Die Studie mit dem Titel "'Wenn wir die Armen unser Herz finden lassen…' – Kirchengemeinden aktiv gegen Armut und Ausgrenzung" ist als epd-Dokumentation 34/07 erschienen.

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»Wenn wir die Armen unser Herz finden lassen...« - Kirchengemeinden aktiv gegen Armut und Ausgrenzung
Ergebnisse einer empirischen Untersuchung des Sozialwissenschaftlichen Instituts (SI) der Evangelischen Kirche in Deutschland
Von Prof. Dr. Heinrich W. Grosse
4,60 EUR / 48 Seiten

- Bestellung der Printausgabe an: vertrieb@gep.de

- Online: Herunterladen und über die Firstgate Internet AG bezahlen: http://www.epd.de/dokumentation/dokumentation_index_51088.html


(epd Niedersachsen-Bremen/b2310/13.08.07)
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