Warum Manager ins Kloster gehen

Nachricht 13. August 2007

Führungskräfte lernen in der Stille sich selbst führen

H a m b u r g (idea) – Immer mehr Manager suchen in Klöstern Abstand von der Hektik des Alltags. Die evangelische Kirche entdeckt neu das Klosterleben und Pilgern, das früher eine katholische Domäne war. Zunehmend machen Führungskräfte aus der Wirtschaft Gebrauch von Angeboten, sich für einige Tage in die Stille zurückzuziehen und zu sich selbst zu kommen. Darüber berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (Hamburg): „Was für die katholische Kirche mit boomenden Kloster-Unternehmen wie Maria Laach oder Andechs schon lange Normalität ist, soll nun auch bei den Protestanten zum Programm gehören.“ Insgesamt gebe es 33 protestantische Klöster und Stifte in Deutschland, die in der Reformationszeit vor annähernd 400 Jahren zur lutherischen Konfession wechselten. Sie erlebten mitunter nach langen Zeiten des Verfalls und des Vergessens jetzt eine neue Konjunktur. Das Nachrichtenmagazin zitiert die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann: „In unseren Klöstern boomt die Nachfrage.“ In vielen der 22 Häuser seien Schweigeseminare, Exerzitien und ähnliche Angebote ausgebucht. Insgesamt hätten die niedersächsischen Einrichtungen im vergangenen Jahr 200.000 Seminar- und Tagesgäste gezählt. Außerdem würden zunehmend evangelische Pilgerwege eingerichtet. Große Firmen schrieben die Klosterseminare als Fortbildung aus. Die Kosten von etwa 1.000 Euro pro Kurs seien vergleichsweise billig. Dabei entdeckten die Teilnehmer Managementregeln, wie sie etwa der Begründer der Benediktiner, Benedikt von Nursia, schon vor rund 1.500 Jahren angeregt habe: „Wer führen soll, muss zunächst sich selber führen.“

Klosterleben blüht auf
Auch das Zusammenleben in klosterähnlichen Gemeinschaften blüht im Protestantismus auf. Der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), hat vor kurzem die mehr als 230 evangelischen Kommunitäten und geistlichen Gemeinschaften in Deutschland als „Schatz“ für die Kirche gewürdigt. Am 14. Juni veröffentlichte die EKD die Schrift „Verbindlich leben. Kommunitäten und geistliche Gemeinschaften in der evangelischen Kirche“. Zu den bekanntesten gehören die Evangelische Marienschwesternschaft in Darmstadt (200 Frauen, 12 Männer), die Communität Christusbruderschaft in Selbitz bei Hof (120 Frauen und 4 Männer), die ökumenische Kommunität „Jesus-Bruderschaft Gnadenthal“ in Hünfelden bei Limburg (16 Männer, 15 Frauen und 20 Familien) und die Offensive Junger Christen (OJC) in Reichelsheim (Odenwald) mit rund 100 Mitgliedern.

13.08.2007

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