Zum Beten hinaus auf hohe See

Nachricht 13. August 2007

Diakonin feiert mit Urlaubern Andacht auf einem Fischkutter

Neuharlingersiel /Kr. Wittmund (epd). "Bei Windstärke sechs und anderthalb Meter hohen Wellen fühle ich mich dem lieben Gott gleich ein Stückchen näher", sagt Simone Melzer an Bord des Fischkutters "Gorch Fock". Die 31-Jährige aus Karlsruhe will an diesem Abend beim Sonnenuntergang zusammen mit 50 Männern, Frauen und Kindern eine Andacht auf hoher See erleben. Sie alle verbringen ihren Urlaub an der ostfriesischen Küste.

Immer wieder klatscht beim Eintauchen in die nächste Welle die salzige Nordsee über die Reling, bis auch der Letzte an Bord klitschnass ist. "Wir wollen die Leute ins Gespräch bringen", sagt Urlauberseelsorgerin Heike Pendias. "Wenn sie sich nach so einem Törn wieder treffen, haben sie genug zu erzählen."

Auf dem Meer ist es für viele Menschen leichter, sich auf ein Gebet oder eine Andacht einzulassen, hat die Diakonin beobachtet. "Der Kontakt mit der Natur ist einfach viel direkter und intensiver." Außerdem sei es so viel leichter, auch Männer für ein Gebet zu begeistern. In der Zeltkirche auf dem Campingplatz arbeitet Pendias mit einem ehrenamtlichen Team bei der "Kirche unterwegs". "Wenn es dort ans Beten geht, sind die Männer schnell verschwunden", sagt sie.

Gut zwei Stunden dauert die Fahrt von Neuharlingersiel Richtung Spiekeroog und Langeoog. Einige Gäste sind zum erstenmal "auf hoher See". Der Blick von Simone Melzer sucht immer wieder das Schild am Steuerhaus mit der Aufschrift "Gott mit uns". Sie ist von dem Törn tief beeindruckt. "So ein Gottesdienst in freier Natur gibt eine Ahnung von Gottes Schöpfung. Ein tolles Erlebnis", schildert sie ihre Gefühle. Selbst die Lieder klingen an Bord anders als in einer Kirche, urteilt Kirchenmusikerin Kathrin Minicka (29) aus Esslingen bei Stuttgart.

Erst im Windschatten der Inseln kann "Käpt'n Willy" den Motor stoppen. Hier ist die See ruhig genug, und Heike Pendias greift zur bis dahin gut geschützten Gitarre. Auch bei den Gästen siegt die Begeisterung über das leichte Unwohlsein - jetzt, wo die Hände endlich keinen Halt mehr brauchen. "Wir sollen Gott vertrauen und unser Leben in seine Hände geben", rät die zweite Seelsorgerin an Bord, Dicky Bouman, in ihrer Andacht.

Zurück geht die Fahrt vorbei an den Seehundbänken von Langeoog. Zum Greifen nah liegen hier die Robben. Dicht an dicht aufgereiht genießen sie die letzten Strahlen der untergehenden Sonne. Nach dem Törn fällt der sichere Gang auf dem wieder festen Boden nicht ganz leicht. Doch Heike Pendias ist zufrieden: "So etwas bleibt auch im Alltag nach dem Urlaub im Gedächtnis." Am 23. August und am 6. September wird sie wieder mit Gästen hinaus fahren.

Jörg Nielsen

(epd Niedersachsen-Bremen/b2311/13.08.07)
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