Bischof Weber: Wen will „Rom“ zur Ordnung rufen?

Nachricht 13. August 2007

Catholica-Beauftragter: Keine Alternative zur gelebten Ökumene

D r e s d e n (idea) – Durch wiederholte Äußerungen „Roms“, dass die evangelischen Kirchen nicht „Kirchen“ im eigentlichen Sinn genannt werden dürfen, lässt sich die „gelebte Ökumene“ nicht aufhalten. Das sagte der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel), am 12. August in einer Predigt in der Dresdner Frauenkirche. Er erinnerte in dem Zusammenhang an ein Wort des Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Kirchen, Kardinal Walter Kasper: „Wir haben uns die Hände gereicht und lassen uns nicht mehr los.“ Der Vatikan hatte im Juli in fünf „Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“ erklärt, dass den aus der Reformation hervorgegangenen christlichen Gemeinschaften nach katholischem Verständnis kein Kirchenstatus zuerkannt werden könne. Obwohl, so Weber, die Erklärung nichts Neues brachte, habe sie viele erregt. Auch er habe sich gefragt, warum diese Äußerung immer wieder und gerade jetzt veröffentlicht werde: „Ob katholische Theologen, die im Blick auf die reformatorischen Kirchen von ‚Kirchen anderen Typs’ reden, zur Ordnung gerufen werden sollten?“ Den ökumenischen Dialog habe dieses Signal aus Rom nicht weitergebracht. Gleichwohl verstehe er die Aufregung nicht ganz, „denn wir wollten uns doch nicht nach römisch-katholischer Lehre sagen lassen, was die evangelische Kirche sei“. Nach evangelischem Verständnis sei Kirche dort, wo das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente in rechter Weise verwaltet werden. Daraus folge auch, dass die Kirche in ihrer Gestalt auf Erden nie vollkommen sei, sondern dass sie – so Luther – auch eine große Sünderin sein könne. Gleichwohl gelte es, einander die Hände zu reichen und sie nicht wieder loszulassen. Zur gelebten Ökumene gebe es keine Alternative, so Weber.

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