Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann rechtskräftig geschieden (aktualisiert)

Nachricht 06. August 2007

Der Kirchensenat der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers teilt mit: die Ehe von Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann ist rechtskräftig geschieden.
Im Übrigen verweist der Senat auf seine Erklärung vom 10.5.2007.

Hannover, 6.8.2007
Pressestelle der Landeskirche

+++

Ehe von Bischöfin Margot Käßmann ist geschieden

Hannover (epd). Die Ehe der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann (49) ist jetzt offiziell geschieden. Die Gerichtsentscheidung sei nun rechtskräftig, teilte der Kirchensenat der hannoverschen Landeskirche am Montag mit. Das Ehepaar Käßmann war 26 Jahre lang verheiratet und hat vier Töchter zwischen 15 und 24 Jahren.

Sowohl die Bischöfin als auch ihr geschiedener Mann Eckhard Käßmann, der Pfarrer in der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck ist, können nach Angaben der Landeskirchenämter in Hannover und Kassel in ihren Ämtern bleiben. Käßmann steht seit 1999 an der Spitze der mit mehr als drei Millionen Mitgliedern größten Landeskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Seit 2003 gehört die promovierte Theologin auch dem Rat der EKD an.

Margot Käßmann hatte den Kirchensenat der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der ihr dienstvorgesetztes Gremium ist, am 10. Mai über die bevorstehende Scheidung unterrichtet. Der Senat hatte sich nach Beratung in Abwesenheit der Bischöfin hinter sie gestellt. Käßmann selbst hat sich nicht öffentlich über ihre Gründe geäußert. In einem Brief an die 2.000 Pastoren der hannoverschen Landeskirche schrieb sie, ihre Entscheidung sei das Resultat einer langen und gründlichen inneren Prüfung gewesen.

In Kirche und Öffentlichkeit war die erstmalige Scheidung einer deutschen Bischöfin kontrovers diskutiert worden. Während der Ratsvorsitzende der EKD Wolfgang Huber Käßmann unterstützte, erklärte der sächsische Landesbischof Jochen Bohl, die Scheidung berge Konfliktpotenzial für die Kirche. Es werde viele Menschen geben, die ihren Schritt nicht verstünden und andere, die sie unterstützten, sagte Bohl in einem Zeitungsinterview.

In Schaumburg-Lippe, der zweitkleinsten Landeskirche der EKD, ist es über den Fall Käßmann zu einem offenen Streit im Bückeburger Kirchenamt gekommen. Oberkirchenrat Werner Führer war vom Landeskirchenrat suspendiert worden, nachdem er öffentlich den Rücktritt Käßmanns gefordert und Gerüchte in die Öffentlichkeit getragen hatte, die er nicht belegen konnte. Der schaumburg-lippische Bischof Jürgen Johannesdotter hatte sich darauf hin von seinem leitenden Theologen distanziert. Führer verlor sein Amt und klagt gegen den Schritt vor dem Rechtshof der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Das Verfahren dauert an.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2243/06.08.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

+++

Landesbischöfin Käßmann rechtskräftig geschieden

Der Fall hatte eine heftige innerkirchliche Debatte ausgelöst
H a n n o v e r (idea) – Die Ehe der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann mit Pfarrer Eckhard Käßmann ist rechtskräftig geschieden. Das hat der Kirchensenat der Landeskirche am 6. August mitgeteilt. Die Käßmanns, die vier Töchter haben, waren 26 Jahre lang verheiratet. Die 49-jährige Bischöfin, die seit 1999 an der Spitze der mit rund drei Millionen Mitgliedern größten deutschen Landeskirche steht und dem Rat der EKD angehört, hatte am 10. Mai „zu ihrem tiefen Bedauern“ mitgeteilt, dass sie die Scheidung beantragt habe. Der hannoversche Kirchensenat erklärte nach eingehender Beratung einmütig, der Bischöfin „in dieser schwierigen Situation zur Seite zu stehen und sie in der bewährten Führung ihres Amtes mit allen Kräften zu unterstützen“. Frau Käßmann gilt neben dem EKD-Ratsvorsitzenden, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), als profilierteste Persönlichkeit im deutschen Protestantismus.

Käßmann: Vorbild durch wahrhaftiges Verhalten
Innerkirchlich entspann sich nach der Ankündigung ihrer Scheidung eine Debatte um die Frage, ob die Bischöfin im Amt bleiben, oder ob sie zurücktreten oder ihr Amt ruhen lassen sollte. Dabei spielte auch eine Rolle, dass in anderen Landeskirchen, etwa der sächsischen, in Scheidung lebende Pastoren in der Regel versetzt werden. Frau Käßmann selbst erklärte in einem Brief an die Pastoren und die Mitglieder der kirchenleitenden Gremien, sie wolle ihr Amt trotz der Scheidung weiter „in aller Verantwortung“ ausüben: „Das Scheitern meiner Ehe steht der Wahrnehmung dieses Auftrages nicht entgegen. Die von mir zu erwartende Vorbildfunktion sehe ich darin, wahrhaftig zu sein.“ Sie halte die Ehe nach wie vor für eine gute Gabe Gottes und für ein Leitbild. Wer vor den Traualtar trete, sollte entschlossen sein, lebenslang zusammen zu bleiben. „Ja, das wollten wir und sind doch daran gescheitert“, so Käßmann, die nach eigenen Angaben einen Rücktritt erwogen hatte. Aber auch für sie gelte: „Rechtfertigung geschieht allein aus Glauben, aus geschenktem Glauben und nicht aus gelingender Ehe oder anderer menschlicher Leistung.“

Schaumburg-lippischer Oberkirchenrat suspendiert
Einige Repräsentanten theologisch konservativer Bewegungen im Protestantismus plädierten dafür, dass die Bischöfin ihr Amt ruhen lassen sollte. Ihren Rücktritt forderte der theologische Oberkirchenrat der schaumburg-lippischen Landeskirche, Werner Führer (Bückeburg). „Amtsträger der Kirche können nicht gegen Gottes ausdrücklichen Willen handeln, ohne dass sie die Kirche unglaubwürdig machen“, schrieb er in einem Beitrag für idea. Es bestehe zwar keine Pflicht zum Rücktritt, aber Bischöfin Käßmann sollte ihr Amt selbst zur Verfügung stellen. Führer wurde anschließend wegen der Weitergabe von Gerüchten von seinem Amt suspendiert. Er hatte sich auch in einem Gespräch mit einer Regionalzeitung zu der Angelegenheit geäußert. Führer entschuldigte sich in einem Schreiben an Bischöfin Käßmann dafür. Er hatte behauptet, die Regelversetzung von Pastoren bei Scheidung sei in Hannover zu dem Zeitpunkt abgeschafft worden, als die Ehe der Bischöfin zu kriseln begonnen habe.


K O M M E N T A R

Das Ende einer Ehe – Gedanken zur Scheidung von Landesbischöfin Käßmann

Das Ende einer Ehe: Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann und Pfarrer Eckhard Käßmann sind rechtskräftig geschieden. Nach 26 Jahren gehen die Eltern von vier Töchtern getrennte Wege. Nichts Besonderes, sollte man meinen; es passiert in Deutschland rund 200.000 Mal pro Jahr. Und doch hat keine Scheidung in jüngster Zeit so viel Wirbel entfacht, denn die 49-jährige Bischöfin, die seit 1999 an der Spitze der mit rund drei Millionen Mitgliedern größten deutschen Landeskirche steht und dem Rat der EKD angehört, ist einer der profiliertesten und bekanntesten Personen im deutschen Protestantismus. Aber nicht nur der Promi-Faktor macht diese Scheidung zu einer, die besondere Aufmerksamkeit erregt. Schließlich sind Margot und Eckhard Käßmann Geistliche, die Paaren vor dem Traualtar das Versprechen abnehmen, zusammenbleiben zu wollen, „bis der Tod uns scheidet“.

Eindeutige Bibelworte
Die Bibel spricht eine eindeutige Sprache: „Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden“ (Mt 19,6), „Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass die Frau sich nicht von ihrem Mann scheiden soll ...“ (1. Kor 7,10), „Ein Bischof aber soll untadelig sein, Ehemann einer einzigen Frau ...“ (1. Ti 3,2), „Darum so seht euch vor in eurem Geist, und werde keine treulos dem Weib seiner Jugend“ (Mal 2,15). Das Scheitern der Ehe jedes Christen, zumal einer Bischöfin, ist deshalb kein Betriebsunfall, sondern eine Tragödie. Soll man aber deshalb den Stab über sie brechen und sie forthin für unfähig halten, ihr kirchliches Amt auszuüben?
Frau Käßmann selbst erklärte in einem Brief an die hannoverschen Pastoren und die Mitglieder der kirchenleitenden Gremien, sie wolle ihr Amt trotz des Scheiterns ihrer Ehe weiter in aller Verantwortung ausüben: „Die von mir zu erwartende Vorbildfunktion sehe ich darin, wahrhaftig zu sein.“ Wer vor den Traualtar trete, sollte entschlossen sein, lebenslang zusammen zu bleiben. „Ja, das wollten wir und sind doch daran gescheitert“, so Frau Käßmann. Aber auch für sie gelte: „Rechtfertigung geschieht allein aus Glauben, aus geschenktem Glauben und nicht aus gelingender Ehe oder anderer menschlicher Leistung.“

Jesu Worte bleiben wahr und richtig
Ich gestehe, ich bin voreingenommen. Ich bin geschieden; ich bin auch wieder verheiratet, mittlerweile seit über 25 Jahren. Nun ist es nicht so, dass die einschlägigen Bibelworte Christen, die sich scheiden lassen oder geschieden sind, unberührt lassen. Im Gegenteil: Noch immer fährt mir jedes Mal ein Stich durchs Herz. Da wird mein Versagen spürbar: Ich habe es nicht geschafft, den Anforderungen Gottes und meinen eigenen Vorsätzen und Versprechungen gerecht zu werden. Das ist bitter.
Jesu Worte bleiben wahr und richtig, auch und gerade dann, wenn wir erkennen, dass wir ihnen nie und nimmer gerecht werden. Wer Reue durchleidet, ist auf nichts als die Gnade Gottes geworfen. Jesus, so muss man es sich dann selbst sagen, hat auch diese Schuld getragen. „Billige Gnade“ – höre ich manche erwidern und Dietrich Bonhoeffer zitieren. Ich hoffe nur, dass sie denselben Maßstab an Geizige und Lästermäuler und Trunkenbolde anlegen. Ist es wirklich „billig“, wenn sich eine Bischöfin dazu durchringt, das Scheitern ihrer Ehe einzugestehen?

Können Geschiedene einander vergeben?
Eines bleibt klar: Was Frau Käßmann, ihr Mann und ihre Töchter wie alle anderen Geschiedenen und Gefährdeten am meisten brauchen, ist Fürbitte. Sie brauchen das Mittragen der Lasten durch schwere Zeiten, wie es die Bischöfin auch schon im vorigen Jahr mit ihrer Krebsoperation erlebt hat. Gott ist ein Gott, der im finsteren Tal da ist, der aber auch heilen kann - körperliche und seelische Verletzungen, manchmal sogar, wie die Bibel sagt, über Bitten und Verstehen hinaus. Ich wünsche den Käßmanns, dass sie eines Tages das praktizieren können, was die Bischöfin vor Jahren vorgeschlagen hat – dass Mann und Frau noch einmal vor Gott treten, um ihm und sich gegenseitig ihr Versagen einzugestehen und - wenn möglich – einander zu vergeben.

Wolfgang Polzer

Copyright: Evangelische Nachrichtenagentur idea
E-Mail: idea@idea.de