Landesbischöfin will mehr Unterstützung für Problemfamilien

Nachricht 18. Juli 2007

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Kommunen dazu aufgerufen, Familien in schwierigen sozialen Situationen stärker in den Blick zu nehmen und die Mütter mit aufsuchender Sozialarbeit zu unterstützen. Für junge Frauen sei eine gute Berufsausbildung unabdinglich, sagte Käßmann am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Hannover, zu der die Künstlerinnenvereinigung GEDOK Niedersachsen geladen hatte.

Frauen brauchen nach Ansicht von Käßmann grundsätzlich mehr Unterstützung in der Gesellschaft: "Bei Familiengründungen kommen oft alte Rollenbilder wieder hoch." Sie forderte ein besseres System, das es Frauen leichter mache, Beruf und Familienleben zu vereinen: "Das Drumherum muss besser werden, damit Frauen auch den Mut haben, früher Kinder zu kriegen."

Die Führungspositionen seien jedoch in der Regel mit Männern besetzt, sagte die Direktorin des NDR-Funkhauses Hannover, Marlis Fertmann. "Ich habe oft erlebt, dass Frauen oft besser ausgebildet sind als Männer." Viele Frauen schreckten vor Führungsaufgaben zurück und ordneten ihre berufliche Karriere den Wünschen des Mannes und der Familie unter. Fertmann forderte die Frauen dazu auf, mehr Ansprüche an Betriebe zu stellen. Sie müssten den Bedürfnissen nach Vereinbarkeit von Karriere und Familienleben entgegenkommen.

Nach Ansicht Margot Käßmanns gibt es heute eine größere Offenheit im Umgang mit unterschiedlichen Lebensentwürfen von Frauen. Alle Rednerinnen beklagten jedoch, dass es nach wie vor an weiblichen Vorbildern für Frauen mangele. "Frauenkarrieren sind keine Motivation für junge Frauen", sagte Sabine Wilp, Leiterin der Künstler-Plattform "Handwerksform Hannover". Sie erlebe junge Mädchen auf der Schwelle zum Berufseinstieg in hohem Maße als orientierungslos.

Die Ordensschwester Jordana Schmidt rief dazu auf, in der gesellschaftlichen Diskussion Frauen aus unteren sozialen Schichten nicht zu vergessen: "Hier herrscht ein ganz anderes Frauenbild vor."

(epd Niedersachsen-Bremen/b2085/18.07.07)
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