Diakoniepastor kritisiert Umgang mit Haftentlassenen

Nachricht 17. Juli 2007


Hannover (epd). Inhaftierte im niedersächsischen Strafvollzug werden nach Ansicht des hannoverschen Diakoniepastors Walter Lampe nur unzureichend auf ihre Entlassung vorbereitet. "Früher war die Wiedereingliederung in die Gesellschaft das entscheidende Ziel", sagte Lampe am Dienstag vor Journalisten in Hannover. Heute nehme das Sicherheitsinteresse sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Strafvollzug einen immer höheren Stellenwert ein. Dies stelle für die Gefangenen ein ernsthaftes Problem dar.

Damit ehemalige Straftäter erfolgreich in die Gesellschaft eingegliedert werden könnten, seien Wohnung, Arbeit und ein gesicherter Lebensunterhalt wesentliche Voraussetzungen, sagte Lampe, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft "Resohelp" ist. Auch Drogenabhängigen sollte der Ausgang in Begleitung gewährt werden. "Gerade diejenigen, die es am nötigsten haben, werden am wenigsten behandelt und auf die Entlassung vorbereitet."

Die Begrenzung auf geringe Besuchszeiten im Strafvollzug seit November 2006 mache es Beratungsstellen wie Resohelp immer schwerer, die Resozialisierung von Gefangenen vorzubereiten, kritisierte Geschäftsführer Gottfried Schöne. Resohelp unterstützt Inhaftierte, Entlassene und deren Angehörige vor allem bei der Wohnungssuche und der Formulierung ihrer Ansprüchen bei Behörden. Darüber hinaus steht sie Straffälligen mit Beratung bei persönlichen Problemen zur Seite.

Ohne Wiedereingliederung erhöht sich Schöne zufolge jedoch die Rückfallgefahr. Eine gelungene Resozialisierung durch intensive Täterarbeit sei der beste Opferschutz, sagte auch Lampe. Das Ziel sei es, Straftäter vor und nach ihrer Haftentlassung intensiv zu unterstützen.

Inhaftierte stünden anfangs oft ganz allein da, sagte die Sozialpädagogin Sylvia Adelsberger. Ohne Geld, Wohnung und Postanschrift könnten sich viele Straffällige nicht einmal Fahrscheine für den Nahverkehr leisten. Adelsberger forderte deshalb die Einführung eines Sozialtickets in Hannover.

Die Arbeitsgemeinschaft "Resohelp" wurde 1969 von Vertretern der Wohlfahrtsverbände in Hannover gegründet. Im vergangenen Jahr nutzen 405 Klienten das umfassende Beratungsangebot.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2068/17.07.07)
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