Diakonie Himmelsthür: Ergebnisbeteiligung für die Mitarbeiter

Nachricht 06. Juli 2007

Vorstand und Mitarbeiter schreiben die Sanierung der Diakonie Himmelsthür fort

Der Aufwärtstrend der Diakonie Himmelsthür hält an. Der Vorstand rechnet für 2007 damit, bis zum Jahresende einen Überschuss zu erwirtschaften. Mit dem Geld soll neu investiert werden. „Aber wir wollen auch etwas in die Taschen unserer Mitarbeiter zurückgeben“, kündigte der kaufmännische Direktor Rolf-Dieter Strudthoff in einer Pressekonferenz an. Möglich macht es die zweite Sanierungsvereinbarung, die am 1. Juli in Kraft getreten ist. Sie ist von der Unternehmensleitung und Mitarbeitervertretern gemeinsam realisiert worden.

Der Vertrag enthält vor allem einen Wechsel vom BAT-Tarifsystem zum neuen „Tarifvertrag öffentlicher Dienst“, kurz TVöD genannt. Im Unterschied zum BAT können die Mitarbeiter nun am Ergebnis beteiligt werden. Seit 2004 haben sie auf die Auszahlung ihres Weihnachtsgeld verzichtet: dem damals von der Insolvenz bedrohten Unternehmen jährlich Kosten von 3,5 Millionen Euro erspart und so aus der Talsohle geholfen. Die ist nun durchschritten. Die Leitung hofft, zumindest teilweise den Einkommensnachteil der Mitarbeiter nachträglich ausgleichen zu können. Außerdem enthält die neue Sanierungsvereinbarung eine Arbeitsplatzgarantie bis 2012.

Neben der finanziellen Konsolidierung treibe die Diakonie Himmelsthür auch eine organisatorische und strukturelle Neugliederung voran, berichtete Direktor Ulrich Stoebe. Der Grund seien Gesetzesänderungen. Sie hätten in den zurückliegenden zwölf Jahren dazu geführt, dass die öffentliche Hand einerseits die Aufwendungen für Pflege und Betreuung gedeckelt habe, andererseits aber höhere Ansprüche an die Qualität der Arbeit stelle.

Das ziehe zwangsläufig höhere Anforderungen an die Mitarbeiter nach sich, ergänzte Jörg Ahrend-Uhde, Einrichtungsleiter der Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen bei Bremen. Weniger Mitarbeiter müssten heute mehr Bewohner betreuen als noch vor 20 Jahren. Ahrend-Uhde: „Aber das ist kein Himmelsthür-Problem, sondern ein Problem der Behindertenhilfe allgemein – und der Vorgaben durch die Gesellschaft.“ Die Einrichtung sei bemüht, die Mehrbelastung u.a. durch effektivere Dienstplanung und EDV-Unterstützung abzumildern.

Die Umgestaltung des Unternehmens könne nur gemeinsam mit den Beschäftigten gelingen, betonte Rolf-Dieter Strudthoff. In den entscheidenden Wirtschafts- und Lenkungsausschüssen seien die Mitarbeiter paritätisch vertreten. Eine so umfassende Beteiligung der Arbeitnehmer sei seines Wissens in der Sozialwirtschaft „bundesweit einmalig“. „Die Mitarbeiter sind nach wie vor die wichtigste Ressource, die wir haben, sagte Ulrich Stoebe. Jörg Ahrend-Uhde fügte an, dass die Beschäftigten im Durchschnitt schon seit 19 Jahren in der Diakonie Himmelsthür arbeiteten. Das sei eine ungewöhnliche lange Zeit und ein Indiz für eine generelle Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz – trotz hoher Belastungen.

Genau das hatten Presseveröffentlichungen in Hildesheim zuletzt in Frage gestellt. Auf der Grundlage eines anonymen Leserbriefes hatte eine Zeitung der Diakonie Himmelsthür vorgeworfen, die Menschlichkeit „auf dem Altar purer Ökonomie“ zu opfern. Wirtschaftliches Denken sei unabdingbar, um das Fortbestehen der Einrichtung zu gewährleisten, betonte Direktor Ulrich Stoebe. Im Mittelpunkt aller Neuerungen stehe die Zukunft der rund 2000 Bewohner und der ebenso vielen Mitarbeiter in ganz Niedersachsen. Stoebe verwahrte sich gegen anonyme Angriffe und bot im Gegenzug das Gespräch an: „Wir sind in jeder Richtung offen für Nachfragen.“