Holze-Stäblein: "Gottesdienst ist unsere Lebensquelle"

Nachricht 06. Juli 2007

Ostfriesische Landessuperintendentin geht in Pension

Aurich (epd). Neben den Teetassen steht bei jedem Gespräch ein kleiner Wecker mit auf dem Tisch. Der Terminkalender von Oda-Gebbine Holze-Stäblein ist immer voll und will abgearbeitet werden. In fünf Jahren und elf Monaten hat sich die 65-jährige Landessuperintendentin des lutherischen Sprengels Respekt und Anerkennung der Ostfriesen erworben. Auch jetzt, wenige Tage vor ihrer Verabschiedung in den Ruhestand, wird sie zu Vorträgen, Gesprächen und nicht zuletzt Gottesdiensten eingeladen. An diesem Sonntag wird sie um 17 Uhr in der Auricher Lamberti-Kirche verabschiedet.

"Der Abschied von Ostfriesland fällt mir schwer", bekennt die Regionalbischöfin. Sie sei geradezu "verliebt in die Landschaft und den weiten Himmel". Besonders das ostfriesische Zweistromland zwischen Leda und Jümme habe es ihr angetan, aber auch die Menschen: "Hier herrscht ein herzlich-familiärer Ton, der auch mal rau sein kann." Und doch zieht es die Holze-Stäbleins wieder zurück nach Hannover. Dort leben Freunde und Familie.

Das Markenzeichen von Oda-Gebbine Holze-Stäblein ist ihre große Leidenschaft zu predigen. Jahrelang war sie früher auch auf dem Bildschirm beim "Wort zum Sonntag" präsent. In den sechs Jahren in Ostfriesland verging kaum ein Sonntag, an dem sie nicht von einer Kanzel herab das Evangelium verkündete. "Der Gottesdienst ist unsere Lebensquelle", betont sie.

Kurz vor ihrem Umzug wird sie noch in Neuburg bei Rhauderfehn auf die Kanzel steigen. Es wird die 146. sein. Dann wird sie von allen lutherischen Kanzeln des Sprengels gepredigt haben. Experten zufolge hat das vor ihr noch kein anderer Landessuperintendent geschafft. "Das war wohl mein größter Coup", sagt sie lachend. Immer wieder hat sie den Kontakt zu den Gemeinden und deren Ehrenamtlichen gesucht. "Im Grunde bin ich immer Gemeindepastorin geblieben."

Am meisten bewegt habe sie der Ostfriesische Kirchentag 2004 in Emden unter dem Motto "Engel up d' Müren". Rund 20.000 Menschen besuchten das Christentreffen der lutherischen und reformierten Kirche. "Das war ein toller Erfolg", sagt Holze-Stäblein stolz, die sich selbst als "Kirchentags-Fan" bezeichnet.

"Doch es bleiben auch offene Baustellen", sagt die Regionalbischöfin etwas nachdenklicher: Entgegen dem Trend, Gemeinden zusammenzulegen, werde in Ostfriesland immer die dörfliche Kirchengemeinde das Zentrum bleiben. "Aber genau da liegt auch eine Gefahr: Einige Gemeinden verhalten sich wie Vereine." Sie müssten sich öffnen, "sonst haben wir Inseln mit Kuschelgemeinden in einem Meer der Gleichgültigkeit".

Und dann ist da noch der Kirchenkreis Emsland-Bentheim, der seit dem 1. Juli zum Sprengel Ostfriesland gehört. Heftig hatten sich die Emsländer dagegen gewehrt, "Ostfriesen" zu werden. "Da bedauere ich wirklich, jetzt in den Ruhestand treten zu müssen. Den Prozess des Zusammenwachsens hätte ich gern begleitet."

Wie ihre Zukunft als Ruheständlerin aussehen soll, darüber habe sie sich noch keine Gedanken gemacht: "Ich werde sicherlich schreiben, Briefe, eventuell auch das eine oder andere Buch. Ich werde mich erst einmal an die freie Zeit gewöhnen müssen." Und nach kurzem Zögern sagt sie mit leuchtenden Augen: "Vielleicht spiele ich auch mal wieder Theater."

(epd Niedersachsen-Bremen/b1958/06.07.07)
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