Osnabrücker Schulzentrum begrüßt Übernahme durch Kirche

Nachricht 06. Juli 2007

Osnabrück (epd). Eltern, Lehrer und Schüler des Schulzentrums Eversburg in Osnabrück haben die Pläne der evangelischen Kirche für dessen Übernahme begrüßt oder wenigstens Kooperationsbereitschaft signalisiert. Entsprechende Briefe wurden am Donnerstagabend im Schulausschuss der Stadt verlesen. Der Ausschuss selbst hat die Entscheidung darüber, ob Verhandlungen mit der Hannoverschen Landeskirche aufgenommen werden sollten, auf die Ratssitzung am 17. Juli vertagt.

Der Osnabrücker Stadtteil Eversburg hat einen hohen Anteil an Aussiedlern und Ausländern. Das bestehende öffentliche Schulzentrum beherbergt eine Haupt- und eine Realschule sowie eine Außenstelle des innerstädtischen Ratsgymnasiums bis zur zehnten Klasse. Die Kirche will das gesamte Zentrum übernehmen und zusätzlich möglicherweise eine gymnasiale Oberstufe vor Ort einrichten. Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann und der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann (CDU) hatten Mitte Mai eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

Die Gesamtkonferenzen der Haupt- und der Realschule signalisierten ihre "volle Unterstützung" für die Pläne der Kirche. Die Gesamtkonferenz des Ratsgymnasiums machte deutlich, dass eine Übernahme des Gymnasiums nicht ihren Vorstellungen entspreche. Sollte es dennoch dazu kommen, "ergäben sich auch daraus Kooperationsmöglichkeiten", heißt es. Die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe werde jedoch "strikt" abgelehnt.

Kultusdezernent Reinhard Sliwka betonte, er erhoffe sich durch die Übernahme in evangelische Trägerschaft eine Aufwertung und dadurch langfristig einen Erhalt des Schulzentrums. Vor allem die Hauptschule sei aufgrund stetig sinkender Anmeldezahlen in Gefahr. Im Vorfeld hatten sich SPD und Grüne gegen eine Übernahme ausgesprochen, FDP und CDU hatten Zustimmung signalisiert. Im Ausschuss betonten Vertreter der SPD, in der Fraktion gebe es vor allem nach dem Besuch einer evangelischen Gesamtschule in Gelsenkirchen erneut Beratungsbedarf. Im Osnabrücker Rat haben SPD und Grüne ebenso viele Stimmen wie CDU und FDP.

Während einer Informationsveranstaltung vor Ort hatten Eltern und Lehrer in der vergangenen Woche ihre Bedenken vor allem hinsichtlich des geplanten Schulgeldes geäußert. Der Schulbeauftragte der Landeskirche, Pastor Bernd Niss, versprach, dass Eltern sich von der Zahlung des Schulgeldes unbürokratisch bei der Landeskirche in Hannover und ohne Wissen der Schulleitung vor Ort befreien lassen könnten. In den bestehenden Schulen der Landeskirche in Dassel und Hildesheim habe es mit dieser Praxis nie Probleme gegeben.

Das Geld komme ausschließlich der Schule und den Schülern zugute, betonte Niss. Es könne helfen, die Gebäude zu sanieren, besondere Anschaffungen oder zusätzliche Lehrkräfte zu finanzieren. Er wies außerdem darauf hin, dass die hannoversche Landeskirche keine Bekenntnisschule einrichten werde, sondern eine öffentliche Schule in evangelischer Trägerschaft. Deshalb werde sie ohne Beschränkung offen sein für katholische, muslimische oder anders gläubige Schüler. Es sei sogar islamischer Religionsunterricht geplant.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1962/06.07.07)
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