Lebensberatung: Eltern in der Erziehung oft überfordert

Nachricht 29. Juni 2007

Walsrode/Kr. Soltau-Fallingbostel (epd). Immer mehr Eltern sehen sich nach Beobachtung von Experten in der Erziehung ihrer Kinder überfordert und suchen psychologische Hilfe. Bundesweit habe sich in den vergangenen zehn Jahren die Anzahl der Fälle in der Erziehungsberatung verdoppelt, sagte der Leiter der Lebensberatung des Kirchenkreises Walsrode, Hartmut Schäfer-Erhardt, am Freitag.

Die Einrichtung mit einem Schwerpunkt in der Erziehungsberatung wird Schäfer-Erhardt zufolge besonders häufig mit Problemen von Kindern und Jugendlichen konfrontiert. So nähmen Bewegungsstörungen, Aggressionen, Konzentrationsstörungen und Hyperaktivität zu. Mädchen litten häufiger unter Essstörungen oder verletzten sich durch Ritzen oder Schneiden selbst. "Psychosomatische Störungen wie chronische Kopf- oder Bauchschmerzen runden das Besorgnis erregende Bild ab", sagte der Diplom-Psychologe.

Ein Grund für die Unsicherheit der Eltern ist laut Schäfer-Erhardt der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit. Die Familie stehe für mehr als 80 Prozent der Deutschen in der Rangliste ganz oben. Zugleich steige die Scheidungsrate, es gebe mehr allein Erziehende und Patchworkfamilien und die Spannung zwischen Anforderungen von Arbeitswelt und Familie nähmen zu. An alten Normen könnten sich Eltern heute nicht mehr ausrichten.

"Grundlegende Kompetenzen für die Elternrolle und für den Umgang mit den Kindern müssen oft erst neu gelernt werden", sagte Schäfer-Erhardt. Ratgeber und Sendungen wie die "Super-Nanny" hätten deswegen Konjunktur. Sie führten aber wegen der einfach klingenden Hinweise eher zu weiterer Verunsicherung und Ratlosigkeit. "Sinnvoll und hilfreich sind dagegen gut überprüfte Elternkurse oder Erziehungsseminare."

Internet: Lebensberatung Walsrode

(epd Niedersachsen-Bremen/b1861/29.06.07)
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