Hannover: Kirchenverband vor drastischen Einsparungen

Nachricht 28. Juni 2007

Hannover (epd). Der evangelische Stadtkirchenverband in Hannover steht vor drastischen Einsparungen. Bis 2012 müssen die Ausgaben von derzeit rund 35 Millionen Euro im Jahr um 4,6 Millionen Euro zurückgefahren werden, sagte die Präsidentin des Stadtkirchentages, Professorin Roseline Forch, am Donnerstag vor Journalisten. Um die Kürzungen zu erbringen, sollen viele der derzeit 68 Gemeinden zusammengelegt sowie Gottesdiensträume, Pfarr- und Gemeindehäuser aufgegeben werden. Ein "Masterplan" sieht auch Einsparungen bei sozialen Diensten vor.

Stadtsuperintendent Wolfgang Puschmann betonte, die Kirche wolle trotz der Kürzungen weiter ein Faktor im Leben der Stadt bleiben. Profilierte Angebote wie die Gospelkirche im Stadtteil Linden, das "Haus der Religionen" in der Südstadt oder die Jugendkirche in der Nordstadt sollten erhalten bleiben, aber anders organisiert werden. Einen Verkauf von Kirchen schloss Puschmann für die nahe Zukunft aus. Erst kürzlich war die Gustav-Adolf-Kirche im Stadtteil Leinhausen im Zuge einer Fusion zweier Gemeinden an eine jüdische Gemeinde verkauft worden.

Puschmann empfahl, übergemeindliche Arbeitszweige etwa aus der sozialen Arbeit in einem Kirchengebäude zu konzentrieren. Durch den Einzug einer Glaswand ließen sich dort neue Räume schaffen: "Um sparen zu können, muss man gelegentlich investieren." Im Gegenzug könnten Gemeindehäuser aufgegeben werden. Erhebliche Spareffekte ließen sich auch durch Gemeinde-Fusionen erzielen. Nach dem "Masterplan" sollen allein 3,5 Millionen Euro beim Personal eingespart werden.

Als Reaktion auf den Plan, der Anfang Mai bekannt wurde, seien mehr als 60 Eingaben von Kirchengemeinden eingegangen, sagte Superintendent Thomas Höflich von der "Arbeitsgruppe Zukunft". Die AG habe ihre Sparvorschläge daraufhin genauer auf örtliche Gegebenheiten einstellen können wie soziale Brennpunkte, Profile der Gemeindearbeit oder den baulichen Zustand von Pfarrhäusern. Am Sparziel ändere sich jedoch nichts. Letztlich seien die Gemeinden selbst dafür verantwortlich, wie sie das Geld einsparten, sagte Höflich.

Die Citykirchen-Arbeit mit der Wiedereintrittsstelle und der Stadtmission sowie die Arbeit mit Obdachlosen etwa im "Mecki-Laden" am Bahnhof sollen von Kürzungen verschont bleiben, hieß es. Nach den Prognosen der "Arbeitsgruppe Zukunft" wird die Zahl der Kirchenmitglieder in der Stadt in den nächsten sechs Jahren von jetzt 216.000 auf 201.000 zurückgehen. Der heutige Bestand an Kirchen für Hannover, Garbsen und Seelze gehe von etwa 400.000 Mitgliedern aus. Der Stadtkirchentag will am 11. Juli über die Sparvorschläge beraten.

(epdNiedersachsen-Bremen/b1856/28.06.07
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