Freunde und Familie werden wichtiger

Nachricht 27. Juni 2007

Lüneburg (epd). Nach Ansicht des Hamburger Zukunftsforschers Horst W. Opaschowski werden Familie und ein soziales Netz aus Freunden in Zukunft wichtiger werden als materieller Wohlstand. Wohlstand werde immer mehr zu einer Frage des Wohlgefühls. "Wenn die berufliche Existenz
unsicher und das Geld knapp ist, rücken die Menschen wieder enger zusammen und besinnen sich auf Beständiges", sagte der 66-Jährige am Dienstagabend in Lüneburg bei einem Empfang des evangelischen Kirchensprengels.

Opaschowski erläuterte seine "Zehn Gebote für das 21. Jahrhundert". In diesen "Anleitungen zu einem gelingenden Leben" empfiehlt er, nicht "den Tunnelblick auf die Anhäufung von Geld und materiellem Wohlstand zu richten". Es müsse nach neuen Maßstäben gesucht werden, sagte der Leiter der "Stiftung für Zukunftsfragen". "Die Regel, mehr Wachstum ist gleich mehr Wohlstand, funktioniert nicht mehr." Opaschowski sieht in der Familie und einem sozialen Netz Tragpfeiler für ein gelingendes Leben.

Weder Aktien noch Fonds könnten den Zusammenhalt zwischen den Generationen ersetzen, sagte er. Zugleich würden Hilfen unter Freunden und Nachbarn wichtiger. "Das Zeitalter des Individualismus geht langsam zu Ende." Opaschowski war Berater der Bundesregierung unter Willy Brandt. 1979 gründete er das BAT-Freizeit-Forschungsinstitut. Er ist wissenschaftlicher Leiter und Kuratoriumsvorsitzender der Einrichtung, die 2007 zu einer Stiftung für Zukunftsfragen umgewandelt wurde.

Der Lüneburger Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen hatte zum Empfang Vertreter des öffentlichen Lebens aus dem Nordosten Niedersachsens eingeladen. Er wolle die aktuelle Wertediskussion aufnehmen, sagte Jantzen. Die Thesen Opaschowskis stünden auch für einen neuen Dialog zwischen Zukunftsforschung und Religion. Christen könnten in der Wertediskussion einen Beitrag leisten.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1822/27.06.07)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen