Landessuperintendentin Janssen-Reschke geht in den Ruhestand

Nachricht 25. Juni 2007

Osnabrück (epd). Der geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes, Arend de Vries, vergleicht sie mit einer "wunderschönen, weithin leuchtenden, manchmal ganz schön stacheligen Distel". Auch bei ihrem letzten Auftritt als Landessuperintendentin am Sonntag in der Osnabrücker Marienkirche blieb kein Zweifel: Doris Janssen-Reschke, die zum 31. Juli, einen Tag vor ihrem 63. Geburtstag, in den Ruhestand geht, ist eine kämpferische und manchmal unbequeme, aber auch geschätzte Theologin.

Die Zeit mit ihr sei anregend, spannend und zuweilen spannungsvoll gewesen, urteilt der Osnabrücker Superintendent Hans Hermann Hammersen. Janssen-Reschke war eine der ersten Frauen im Pfarramt, die zweite Superintendentin und die erste Regionalbischöfin in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Ihre erste Pfarrstelle bekam sie in Ostfriesland. In Bremerhaven war sie Gemeindepastorin und Krankenhausseelsorgerin, in Hannover fünf Jahre Superintendentin. Mittlerweile sei die Akzeptanz der Frauen in der evangelischen Kirche gewachsen "wie sonst nirgendwo", sagt sie.

Doris Janssen-Reschke hat jedes Amt als Herausforderung begriffen und sich mit kritischen Worten nie zurückgehalten: "Das Evangelium ist auch kritisch zu dem, was wir Menschen leben." Doch zum Abschied fand sie auch versöhnliche Worte: "Ich habe Menschen verletzt, manchmal die eigenen Leute mehr als gereizt", bekannte sie am Sonntag in ihrer Abschiedspredigt und fügte hinzu: "Das tut mir so leid."

Solidarität einzufordern mit den Schwachen der Gesellschaft - den Alleinerziehenden, den Arbeitslosen, den Insassen von Justizvollzugsanstalten - das lag und liegt ihr am Herzen: "Die Seelsorge ist die Hauptaufgabe der Kirche. Gerade in Krisen und unter widrigen Umständen kann der Glaube erfüllend sein."

In den knapp zehn Jahren als evangelische Landessuperintendentin in der katholischen Bischofsstadt Osnabrück habe sie versucht, dem Protestantismus ein schärferes Profil zu geben. "Das ist mir nicht immer gelungen", sagt sie selbstkritisch. Dennoch sei in den Gemeinden in dieser Zeit ökumenisch eine Menge gewachsen.

Auch als langjähriges Mitglied der Landessynode habe sie Spaß daran gehabt, Kirche mitzugestalten. "Aus den demokratischen Strukturen heraus geht das viel besser als aus der Kirchenleitung", ist ihre Erfahrung. Die Kirche lebe vom Engagement ihrer Mitglieder. Bei all den derzeitigen Auflagen für notwendige Einsparungen dürfe das nicht außer Acht gelassen werden. "Mir ist eine Kirche, die tapfer Fehler macht, lieber als eine, die immer weiß, was für andere gut ist."

In ihrer neuen Heimat nahe Winsen an der Elbe will Janssen-Reschke ehrenamtlich in der Krankenhausseelsorge arbeiten. Ihr Fazit über ihr Berufsleben lautet: "Ich würde sofort wieder Pastorin werden. Der Beruf bietet so viele Möglichkeiten, helfend einzugreifen, wie kaum ein anderer."

(epd Niedersachsen-Bremen/b1786/25.06.07)
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