Das jüngste Amt der hannoverschen Landeskirche

Nachricht 25. Juni 2007

Wechselvolle Geschichte des „Landessuperintendenten“

Ab dem 1. Juli hat die hannoversche Landeskirche statt bisher acht nur noch sechs Sprengel, zu denen dann auch der neugebildete Sprengel Hildesheim-Göttingen zählt. Insgesamt leben dann rund 585.700 evangelische Christen in 431 Gemeinden zwischen Hameln und Herzberg sowie Peine und Hann. Münden. 446 Pastorinnen und Pastoren, 150 Diakoninnen und Diakone sowie rund 500 Lektorinnen und Lektoren tun hier ihren Dienst. Dazu knapp 1000 Kirchenmusiker und Kirchenmusikerinnen (Organisten, Kirchenchor- und Posaunenchorleiter), fast ein halbes Tausend Küsterinnen und Küster, ebenso viele Gemeindesekretärinnen und mehr als 2200 Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher.

Jeder kirchliche Sprengel wird durch einen Landessuperintendenten bzw. eine Landessuperintendentin geleitet. Und obwohl das Amt des Landessuperintendenten in dieser Form erst vor 71 Jahren gebildet wurde - und damit eine der jüngsten Formen der hannoverschen Kirchenleitung ist - , hat es schon eine recht bewegte Geschichte hinter sich. So hatte der Landessuperintendent des Sprengel Hildesheim seinen Sitz von 1936 bis 1942 in Goslar und erst seit 1943 in Hildesheim, der Landessuperintendent des Göttinger Sprengels war zunächst in Northeim (1936-1953), dann in Hildesheim (1953-1958) und seit 1958 schließlich in Göttingen zu Hause.

Landesbischof August Marahrens war es, der das Amt des Landessuperintendenten 1936 wieder belebte und zugleich neu ausrichtete. Unmittelbar vorausgegangen war die Einsetzung von Landespröpsten durch die Deutschen Christen. Dazu war das Amt des Generalsuperintendenten 1933 abgeschafft worden. Die neuen Landespröpste sollten, im Stile der politischen Machthaber, die Kirche mit Befehlsgewalt regieren. Neu waren beide Ämter nicht, denn die Einrichtung von Generalsuperintendenten und deren Pendant, der Spezialsuperintendenten, lässt sich bis in die Zeit der Reformation zurückführen.

Nachdem Marahrens seine Position gegenüber den Deutschen Christen gefestigt hatte, konnte er nach der kurzen Phase der Landespröpste das nun als Landessuperintendent bezeichnete Amt begründen. Es hatte von vornherein eine bischöfliche Funktion. Die Landessuperintendenten hatten die Aufgabe, die Kirche zu repräsentieren, Kirchenkreise zu visitieren, Pastoren zu ordinieren, Kirchen einzuweihen und ihren Sprengel geistlich zu leiten. Sie bildeten, zusammen mit dem Bischof, den Bischofsrat, ein Gremium, das bis heute existiert. Die damaligen Sprengel hatten je rund zehn Kirchenkreise.

Marahrens´ Einführung des Amtes der Landessuperintendenten stieß auf allen kirchlichen Ebenen auf harsche Kritik und wurde als Episkopalismus (Vorherrschaft des Bischofs) und als Sicherung der eigenen Machtstellung verdächtigt. Allmählich aber erreichten die Landessuperintendenten, nicht zuletzt durch ihren persönlichen Einsatz bei Besuchen in den Pfarrkonventen, dass ihr Amt erstarkte. Daher scheint es erklärbar zu sein, dass sich das Ansehen eines Landessuperintendenten bis heute vorwiegend auf die persönliche Autorität des Amtsinhabers stützt.

Landesuperintendent in Hildesheim waren bisher Rudolf Detering, Gerhard Heintze, Hans-Philipp Meyer, Ernst Henze, Walter Meyer-Roscher, Eckhard Gorka. Landessuperintendent in Göttingen waren Wilhelm Stupenhausen, Franz Wiebe, Rudolf Detering (in Vertretung von Hildesheim her), Lothar Stark, Horst Hirschler, Rolf Koppe, Hinrich Buss und Burghard Krause.

Die heutigen Aufgaben des Landessuperintendenten sind denen der Anfänge vergleichbar. Im Laufe der Jahre sind einzelne Rechte hinzugekommen. So seit 1949 das Kanzelrecht für alle Gemeinden des Sprengels, die Zuweisung einer Predigtkirche, das Recht zweier Sprengelkollekten. Seit 1965 ist dem Landesuperintendenten als beratendes Gremium ein Sprengelbeirat zugeordnet.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers hat ab Juli des Jahres sechs Sprengel, die von einer Landessuperintendentin und fünf Landessuperintendenten geleitet werden. Zu jedem Sprengel gehören von den insgesamt 57 Kirchenkreisen je sechs bis zwölf.

Eberhard Blanke

Informations- und Pressestelle Sprengel Hildesheim