Grüne äußern sich skeptisch zu evangelischen Schulen

Nachricht 20. Juni 2007

Hannover (epd). Die Grünen im niedersächsischen Landtag haben sich skeptisch zu den Plänen der hannoverschen Landeskirche geäußert, an vier Standorten in Niedersachsen evangelische Schulen zu gründen. Es blieben nach der Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen Landeskirche und Kultusministerium vor einem Monat noch viele Fragen offen, heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen von Mittwoch. Deshalb hätten sie Landesbischöfin Margot Käßmann in einem Brief um Aufklärung gebeten. Die Kanzlei der Bischöfin teilte auf Anfrage mit, bisher keinen Brief erhalten zu haben.

Die Schuldezernentin der Landeskirche, Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track, hatte am Wochenende vor der Landessynode in Hannover angekündigt, dass mit dem neuen Schuljahr im August die evangelische, zweisprachige Grundschule Eichelkamp in Wolfsburg an den Start gehe. Ein Jahr später werde das neue evangelische Gymnasium in Nordhorn seine Arbeit aufnehmen. Außerdem habe das Kultusministerium signalisiert, dass die Landeskirche in Gifhorn ein Gymnasium und in Osnabrück ein Schulzentrum mit Gymnasium, Haupt- und Realschule gründen könne.

Die Grünen hatten unter anderen gefragt, aus welchen Gründen bestehende Schulen in kirchliche Trägerschaft übernommen werden sollen, wie die Kirche mit der Kirchenmitgliedschaft der Lehrerinnen und Lehrer umgehen werde und wie verhindert werden könne, dass Schüler aus finanziellen Gründen auf weiter entfernt liegende Schulen ausweichen müssten. Dazu sagte Gäfgen-Track dem epd, schulische Einzugsbereiche seien in Städten wie Gifhorn oder Osnabrück aufgehoben. Jeder Schüler könne eine Schule seiner Wahl besuchen.

Es sei geplant, ein Schulgeld zwischen 25 und 40 Euro im Monat zu erheben. Bei sozialen Notlagen könne dies jedoch im Einzelfall erlassen werden. In bereits bestehenden Schulen würden alle Lehrkräfte unabhängig von ihrer Kirchenmitgliedschaft übernommen und könnten dort auch künftig bleiben. Die Landeskirche reagiere mit den Schulgründungen auf Anfragen, die sie von Eltern, Schulen und Schulträgern erhalten habe, betonte Gäfgen-Track: "Die Erfahrungen in den evangelischen Kindertagesstätten zeigen, dass auch viele muslimische Eltern ihre Kinder gern in evangelische Einrichtungen schicken."

Insgesamt unterhalten die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers und ihre Diakonie zurzeit 106 Schulen. Dabei handelt es sich vorwiegend um berufsbildende Schulen für soziale Berufe sowie Förderschulen und Schulen für Erziehungshilfe für Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Von den 35 Schulen für Erziehungshilfe sind 33 in evangelischer Hand. Die katholische Kirche betreibt unter anderem etwa 30 allgemein bildende Privatschulen mit einem Schwerpunkt im Weser-Ems-Gebiet.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1754/20.06.07)
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