Den "Kuss Gottes" empfangen

Nachricht 18. Juni 2007

Kirche feiert riesige Taufe für 62 Kinder im Kloster Loccum

Von Beate Ney-Janßen (epd)

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Ein fremder Mann, der ihr Wasser ins Gesicht spritzt? Nein, das mag Ayla eigentlich überhaupt nicht. Doch als der Mann im Talar, Loccums evangelischer Pastor Joachim Köhler, ihr anbietet, gemeinsam mit ihm in das Wasserbecken zu greifen, ist die Vierjährige begeistert dabei. Das Beispiel macht die Runde, und ein Kind nach dem anderen fasst mit in die Taufschale. Insgesamt 62 Jungen und Mädchen zwischen vier Monaten und zwölf Jahren aus 43 Familien sind bei einer riesigen Feier am Wochenende im Loccumer Kloster getauft worden.

745 Gäste sind dafür zum Gottesdienst in die Klosterkirche und zu einer Kaffeetafel im früheren Kornspeicher des Klosters gekommen. An acht Taufsteinen wird das Ritual vollzogen: im Kreuzgang und im Refektorium ebenso wie im Freien auf Rasenflächen. "So etwas hatten wir hier noch nie", freut sich der Loccumer Abt und ehemalige hannoversche Landesbischof Horst Hirschler. Und Ingrid Goldhahn-Müller, Superintendentin im Kirchenkreis Stolzenau-Loccum, fügt hinzu: "Ganz sicher auch noch nicht in der gesamten hannoverschen Landeskirche."

Ursprünglich wollte Pastor Köhler nur für seine Gemeinde in Loccum ein Tauffest ausrichten. Dann fand der Kirchenkreis Gefallen an der Idee und weitete sie auf 15 Gemeinden aus. Ein Blick in die Statistik zeigte, dass in der Region rund 400 Kinder nicht getauft waren. Alle ihre Eltern erhielten daraufhin einen Brief mit der Einladung zu dem Fest. "Der Brief kam mir gerade recht", lacht Asta Benninger. Sie wollte ihre drei Kinder eigentlich erst nach der kirchlichen Trauung taufen lassen. Der rechte Moment für die Trauung sei allerdings noch nicht gekommen.

"Viele Familien haben den Zeitpunkt verpasst, ihre Kinder taufen zu lassen", erzählt Goldhahn-Müller. Andere wiederum hätten eine Scheu davor, an einem Sonntag allein vor dem Altar zu stehen. Das Tauffest helfe ihnen, Schwellenängste zu überwinden. Auch viele Alleinerziehende nutzen das Angebot. Und Louisa (8) und Sophia (5) hatten selbst den Wunsch, bei dem großen Fest dabei zu sein. Als ihr Vater ihnen aus der Zeitung davon vorlas, waren sie sich einig und baten ihre Eltern darum, sie anzumelden.

Zu der Taufe mit frischem Quellwasser aus dem "Jakobsbrunnen" im Loccumer Wald haben sich viele Kinder schick gemacht. Mädchen tragen Blumenkränze im Haar, ein Dreijähriger ist im Anzug und mit einem Schnuller im Mund erschienen. In der Predigt nennt Pastor Köhler die Taufe den "Kuss Gottes, mit dem er die Kinder in die Arme schließt." Dazu bittet er den vier Monate alten Phil und die zwölfjährige Katharina nach vorn - den jüngsten und den ältesten Täufling.

Gemeinsam mit seiner Eichhörnchen-Handpuppe "Murmel" erzählt er den Kindern, was dieser Tag für sie bedeute. Die Taufe sei das wichtigste Fest im Leben: "Euer ganzes Leben soll ein Fest werden, auch wenn es manchmal dunkel und bitter ist." Das Tauffest soll bald wiederholt werden. Schon jetzt gibt es eine lange Warteliste von Taufwilligen, sagt Superintendentin Goldhahn-Müller: "Viel mehr als 700 Gäste konnten wir hier nicht unterbringen."

(epd Niedersachsen-Bremen/b1701/17.06.07)
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